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Stein ist ins Rollen gekommen

Sicher bekommen Sie in diesen Tagen auch viele WhatsApps auf Ihr Smartphone mit Filmchen zur Corona-Epidemie. Eines davon zeigt ein kleines Mädchen, den Blick zum Himmel gerichtet mit dem Gebet: „Lass doch das Jahr 2020 neu beginnen“. Das geht natürlich nicht. Manche wollten sogar Ostern verlegen. Auch das geht natürlich nicht. Wir haben Ostern gefeiert - trotz Corona.

Im Radio kam die Umfrage: Wie haben Sie Ostern gefeiert? Die Antworten fielen meist positiv aus. Die Menschen haben Ostern gefeiert, anders als sonst. Was am meisten gefehlt hat, waren die Besuche bei Kindern und Enkeln. Aber gefeiert haben sie alle, viele auch mit den Gottesdiensten im Fernsehen. Ostern! Anders! Viele sprechen von Entschleunigung.

Mitte März kamen bei uns Steine ins Rollen und plötzlich war nichts mehr, wie es vorher war. Auch bei den Ereignissen in Jerusalem kam damals ein Stein ins Rollen. Eine Wucht, eine Kraft muss es gewesen sein, die den Stein vom Grab Jesu weggerollt hatte. Dieser Stein und das leere Grab sind bis heute ein Zeichen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.

Steine können Leben verändern. In vielen Dingen des täglichen Lebens spüren wir das. Wir werden eingeschränkt in unserem gewohnten Alltag. Zu Hause bleiben lautet das Motto. Die Kinder und Enkel nicht sehen. Nur zu zweit unterwegs sein. Es heißt auch: geschlossene Kaufhäuser, Sicherheitsabstand im Supermarkt. Keine Gottesdienste - und das an unserem höchsten Fest im Jahreskreis. Jede und jeder weiß um seine eigenen Einschränkungen im täglichen Leben.

Im Evangelium von Ostern lesen wir: „Ein Engel des Herrn trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.“ Wie schön wäre es, wenn jetzt ein Engel kommen würde und all unsere Steine einfach auf die Seite schieben würde und sich daraufsetzte - auch auf den Stein des Coronavirus. Aber auch auf die vielen anderen Steine in unserem Leben die uns belasten. Wie schön, wenn dann dieser Engel kommen würde und sie wegräumte.

Die ersten, die den weggerollten Stein und das leere Grab fanden, waren die Frauen, die noch einmal den toten Jesus sehen wollten. Stattdessen hörten sie von dem Engel die Worte: „Fürchtet euch nicht!“ Daraufhin sagt ihnen auch Jesus diese Worte. Wie oft fürchten wir uns doch auch in unserem Leben vor irgendetwas. In dieser Zeit auch um das, wie es überhaupt weitergeht? Was wird die Politik in Zukunft über das weitere Vorgehen beschließen?

Das Jahr 2020 kann man nicht neu beginnen. Aber ein Neubeginn nach der Corona-Epidemie ist möglich. Steine können wirklich weggerollt werden, wenn aus der Vereinsamung ein Ort der Begegnung wird, wenn aus Streit ein Ort der Versöhnung wird und Menschen wieder miteinander reden und um Frieden auf der Welt ringen. Wir können Menschen in schwierigen Situationen beistehen und ihnen Trost und Hilfe anbieten und sie unterstützen.

Es ist schon eine Herausforderung, dass wir das leere Grab nicht sehen. Wir können uns nur an die Überlieferungen halten und uns dann entscheiden, ob wir das glauben. Die Menschen vor 2000 Jahren haben halt mehr gesehen als das leere Grab. Sie haben mit dem Auferstandenen geredet, ihn berührt, mit ihm gegessen.

Ein Stein ist ins Rollen gekommen und nichts ist mehr, wie es vorher war.

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