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Stille Verzweiflung

Es ist betrüblich, wie man sich derzeit in Traueranzeigen verbiegen muss: Um die für Beerdigungen - auch im Freien - neuerdings vorgeschriebene Höchstzahl von 30 (statt 100) Personen einzuhalten, verwendet man notgedrungen den Satz „Die Feier findet im engsten Familienkreis statt“, auch wenn zahlreiche trauernde Freunde, Kollegen und Angehörige kommen und die AHA-Regeln einhalten würden. Diejenigen, die den Teckboten nicht lesen, erreicht man mit der warnenden Traueranzeige nicht.

Was geschieht dann konkret bei der Trauerfeier? Lässt ein Türsteher 30 Personen auf den Friedhof und schließt vor der 31. das Tor? Das wäre ein Unding! Zum Schmerz um den verlorenen Angehörigen kommt nun die stille Verzweiflung über eine realitätsferne Einschränkung, die angesichts des geringen Infektionsrisikos im Freien (Viren vertragen UV-Licht und Wärme nicht) noch unverständlicher erscheint.

Susanne Eckstein, Reutlingen

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