Unzugeordnete Artikel

Swing unter den Linden

Konzert Das Hot-Jazz-Revival-Trio spielte bei einer Matinee auf dem Schlossplatz. Auf dem Programm: temperamentvoller New-Orleans-Jazz der 1920er-Jahre und Swing-Standards. Von Hans-Günther Driess

Hartmut Layer, Peter Ruoff und Michael Durst spielten sich mit Jazzstandards in die Herzen des Publikums.Foto: Hans-Günther Drie
Hartmut Layer, Peter Ruoff und Michael Durst spielten sich mit Jazzstandards in die Herzen des Publikums.Foto: Hans-Günther Driess

Ein Hauch von New Orleans wehte durch Kirchheim, als das Hot-Jazz-Revival-Trio auf dem Schlossplatz bei strahlendem Sonnenschein Highlights des „Traditional Jazz“ zum Besten gab. Das Angebot der Stadt Kirchheim, ihre Gassen und Plätze nach langer Zeit der kulturellen Flaute wieder mit Musik zu beleben, wurde einmal mehr dankbar angenommen.

Peter Ruoff mit Saxofon und Klarinette, Hartmut Layer am Piano und Schlagzeuger Michael Durst präsentierten temperamentvollen New-Orleans-Jazz der 1920er-Jahre sowie Swing-Standards von Duke Ellington und Fats Waller.

Schon im einleitenden „Boogie For John“ und im bekannten „Mack The Knife“ zeigen sich die Musiker als eingespieltes Trio, das mit passendem Drive, gutem Jazzfeeling und gelungenen Improvisationen überzeugt. Peter Ruoff gefällt vor allem durch seine virtuosen Solokadenzen am Ende der Jazzstücke, Hartmut Layer besticht durch seine melodische Erfindungsgabe unter Ausreizung der gesamten Klaviatur in „Lullaby Of Birdland“ und „Blue Bossa“.

Kein Fuß steht still

Mit den bekannten Swing-Klassikern „How High The Moon“, „Satin Doll“ und „On The Sunny Side Of The Street“ von Duke Ellington spielen sich die drei Jazzer vollends in die Herzen der begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer.

Zum Gesamterlebnis dieser Matinee gehört das wunderschöne Ambiente: Die Band spielt im Schatten unter den Linden vor dem Schloss. Eine ältere Dame flaniert mit ihrem Hund vorbei, ein junges Paar tanzt zur Musik auf der grünen Wiese des Schlossparks und als „High Noon“ erklingt das Glockengeläute von Martinskirche und Rathaus. Zum visuellen Höhepunkt wird ein kleiner Hund, der im Körble auf dem Fahrradlenker seines Frauchens sitzend im Takt der Musik seine Leckerli vertilgt. Ihn törnt der Swing offensichtlich ebenso an wie eine Omi, die mit ihren beiden Enkeln zwei Stunden lang mit wachsender Begeisterung den Klängen des Trios lauscht. Herrlich zu beobachten ist nicht zuletzt das Füßewippen im Swing-Rhythmus bei fast allen Zuhörerinnen und Zuhörern.

Nach der Pause kündigt Peter Ruoff mit „Memory of Duke“ „eine Ballade, die ins Herz geht“ an und gestaltet diese mit feinem Klang auf seiner Klarinette. Leider hat er versäumt, diese zu stimmen, was im temperamentvollen „Puttin On The Ritz“ das Hörerlebnis etwas mindert; aber der peppigen Darbietung nimmt dies nicht den Reiz.

Im Jahr 1928 schrieb der berühmte New Yorker Pianist Fats Waller „Honey Suckle Rose“, eine musikalische Kostbarkeit, vor allem für Jazzpianisten. Hartmut Layer gelingt es hervorragend, die stiltypische Stride-Piano-Technik anzuwenden, bei der die linke Hand im Wechsel zwischen Basstönen und Akkorden flink über die Tasten fliegt. Die Band begeistert auch bei ihrem zweiten „Ausflug“ nach Südamerika und vermittelt damit ein bißchen Urlaubsatmosphäre auf dem Schlossplatz: Den weltbekannten Bossa Nova „Black Orpheus“ gestaltet Hartmut Layer zunächst in einem langsamen Intro wie ein Rezitativ, dabei gefühlvoll mit differenzierter Dynamik, ehe Peter Ruoff auf dem Saxofon die Führung übernimmt und der lateinamerikanische Duktus die Oberhand gewinnt.

Nach „Take The A-Train“ und „All Of Me“ ertönen weitere Kompositionen von Duke Ellington, der sicher seine Freude daran gehabt hätte, beim Swing unter den Linden in Kirchheim dabei zu sein.

Anzeige