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SWR verfilmt Sage: Filmreifer Spuk im Wäscherschloss

Dreharbeiten Der SWR hat in der Burg bei Wäschenbeuren eine Dokumentation über die Legende der „Weißen Frau“ gedreht. Die Begeisterung für Spukgeschichten einte das Team. Von Dieter Kassner

Im Wäscherschloss nachgespielt: Die schmerzhafte Geburt eines Mädchens, das später zum Gespenst der "Weißen Frau" wird. Foto: Staufenpress

Mitleid erregende Schreie hallen durch die dicken Mauern des Wäscherschlosses. Es sind die Schmerzensschreie einer gebärenden Frau. Was ist geschehen, eine Notgeburt im altehrwürdigen Schloss? Nein, es ist nur die erste Szene eines Films des SWR über die Legende der „Weißen Frau“.

Das Team des Südwestrundfunks um Regisseur Jo Müller kam nach Wäschenbeuren, um eine authentische Kulisse für einen Film über die bekannte Sagengestalt, die „Weiße Frau“, zu finden. Der Originalschauplatz, an dem sich die Sage zugetragen haben soll, ist die Schauenburg. Doch die Burg im Schwarzwald ist nur noch eine Ruine und somit ungeeignet für die Filmaufnahmen.

Das Wäscherschloss war nur einer von sechs Drehorten für eine Dokumentation des SWR unter dem Titel „Unheimliche Geschichten – Baden-Württemberg und seine Geister“, zu dem die „Weiße Frau“ und die Vorstellung der gruseligsten Orte ihren Teil beitragen. Jo Müller hat mit Burg- und Schlossbesitzern gesprochen, die ihm die Legenden rund um ihr Anwesen und ihre eigenen Begegnungen mit den Gestalten aus dem Jenseits erzählten. Sagenforscher erklärten dem Regisseur die Hintergründe der uralten Geschichten, und Romanautoren erläuterten die Faszination des beliebten Gruselgenres.

Jo Müller traf auch Geisterjäger, die mit ihrem Equipment alte Gemäuer untersuchen. Während in Wäschenbeuren und Wackers­hofen die Legenden verfilmt wurden, waren die anderen Stationen reale Drehorte, an denen einheimische Menschen zu ihren Gruselerfahrungen befragt wurden. So zum Beispiel Schloss Wildenstein mit seinen vielen Spukgeschichten oder Großerlach, wo ein Bauernhaus zu einem der berühmtesten Spukhäuser der Welt zählt.

Der SWR-Regisseur ist fasziniert von dem Thema: „Ich interessiere mich für Gruselgeschichten und Phänomene, die man nicht erklären kann, und habe hierfür einen großen Respekt.“ Dieselbe Begeisterung strahlt sein gesamtes Team aus. Angefangen vom Aufnahmeleiter Alexander Bauer, der für die gesamte Organisation der Filmaufnahmen zuständig war. Hierzu wurde er von neun Spezialisten, wie Kameramann, Tontechniker, Maskenbildner und Beleuchter, unterstützt. „Wir haben insgesamt acht Drehtage mit jeweils acht Stunden, an denen wir pro Tag einen Film von fünf Minuten erstellen“, erklärt Alexan­der Bauer und stellt damit unter Beweis, wie aufwändig die Produktion ist.

Ohne Schauspieler geht es bei einem solchen Projekt natürlich nicht: Die Rolle des Ritters übernahm Sergej Ermolaev, der Knappe wurde von Tristan Mauerer von der „Ritterschaft zu Gmünd“ in seinen Originalkostümen verkörpert. Uschi Moll und Petra Sontheimer vom „Dramatischen Verein Biberach“ spielten unter anderem als Eingangsszene und Beginn der Sage die Geburt eines Mädchens. Ihr Vater, ein Ritter von Schauenburg, erhoffte sich jedoch einen Sohn als Erben, gab die Tochter einer Magd in Obhut und zog in die Ferne. Nach 20 Jahren kehrte er zurück und forderte seine Tochter auf, zu ihm zurück auf die Schauenburg zu kommen und einen reichen Vetter zu heiraten. Diesen Wunsch erfüllte sie ihrem Vater. Allerdings war sie schon mit einem Müllerburschen verheiratet. Diesen sah sie dann nach einigen Jahren bei einem Fest auf der Schauenburg wieder und fiel tot um. Mit Sehnsucht auf Erlösung erscheint sie seitdem alle 50 Jahre als „Weiße Frau“ und bittet um Erlösung. Wer ihr begegnet, muss ihr einen Wunsch erfüllen oder nach drei Tagen sterben.

Die Arbeiten des Filmteams wurden mit einem weiteren Beitrag zur Dokumentation über die Legende mit der „Frau ohne Kopf“ aus Münsingen abgeschlossen.

Der Film wird am Montag, 1. November, von 19 bis 19.45 Uhr unter dem Titel „Unheimliche Geschichten – Baden-Württemberg und seine Geis­ter“ im SWR Fernsehen ausgestrahlt.

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