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Teamvorstellung für die „Tour de Filder“

Radschnellweg Die Vertreter von zehn Kommunen geben mit dem Landkreis den Startschuss für die Planung einer Direktverbindung zwischen Kirchheim und der Landeshauptstadt Stuttgart. Von Bernd Köble

Schriftliche Absichtserklärung: Landrat Heinz Eininger und die Vertreter von zehn Anrainerkommunen ziehen in Sachen Radschnellwe
Schriftliche Absichtserklärung: Landrat Heinz Eininger und die Vertreter von zehn Anrainerkommunen ziehen in Sachen Radschnellweg an einem Strang.Foto: Carsten Riedl

Gemeinsam trainiert haben sie nicht. Einen langen Atem versprechen trotzdem alle. Das Team bei der Planung eines neuen Rad- schnellwegs von Kirchheim über die Filder Richtung Stuttgart steht: Mit ihrer Unterschrift haben der Esslinger Landrat sowie Rathaus- chefs und Vertreter von zehn Anrainerkommunen gestern in Wendlingen ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundet. Es ist der Startschuss für einen zweiten langwierigen Planungsprozess. Nach den bereits fortgeschrittenen Plänen für einen Radschnellweg durchs Neckartal soll nun auch der Bau einer breiten Trasse über die Filder mit einer Machbarkeitsstudie angestoßen werden. Die Chancen, dass die Analyse positiv ausfällt, stehen nicht schlecht. Schon jetzt bescheinigen Verkehrsexperten einer solchen Piste für Berufspendler und Freizeitradler mit bis zu 2300 Nutzern täglich mehr Potenzial als dem Neckartal-Radweg. Zu diesem Schluss kommen gleich zwei Studien des Regionalverbands und des Verkehrsminis- teriums des Landes.

Wie groß das Konfliktpotenzial ist, wird sich wohl erst im Verlauf der Planungen zeigen. Was passiert, wenn kommunale Interessen gegeneinanderprallen, lässt sich zurzeit im Neckartal verfolgen, wo die anfängliche Euphorie inzwischen an gleich mehreren Stellen vom Streit um eine akzeptable Streckenführung verdrängt wird. Thorsten König, der Leiter des Straßenbauamts in der Esslinger Kreisbehörde, sieht jedoch auch dabei die Fildertrasse im Vorteil. „Durch die Enge im Neckartal war allen klar, dass es dort Probleme geben wird“, sagt er und ergänzt: „Wir sind zuversichtlich, dass wir uns auf den Fildern leichter tun.“ Ob das auch für die Frage gilt, wer die Baulast trägt, ist völlig offen. Im Neckartal ist es das Land. Auf den Fildern ist die Hoheit über die Strecke nicht geklärt.

Verkehrsplaner werden nun gemeinsam mit den beteiligten Städten und Gemeinden mögliche Linienführungen unter die Lupe nehmen und mit Fahrradverbänden und den Trägern öffentlicher Belange abstimmen. Wie schon beim Neckartal-Radweg wird auch die Öffentlichkeit Vorschläge einbringen können. Eine Plattform zur Bürgerbeteiligung soll im September online gehen. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen im Mai nächsten Jahres vorliegen.

Auf direktem Weg von Kirchheim bis an die Stadtgrenze Stuttgarts sind es zwar nur etwa 20 Kilometer. Untersucht wird allerdings eine Strecke von 45 Kilometern, die auch Quer- und Anschlussverbindungen enthält. In Richtung Flughafen, zum bereits bestehenden Radschnellweg von Sindelfingen nach Stuttgart oder eben hinunter ins Neckartal. Auch eine Querspange von Köngen zum Neckartal-Radweg bei Plochingen ist Teil der Analyse.

Für Landrat Heinz Eininger steht und fällt das Projekt mit der Kompromissbereitschaft aller Beteiligter. „Wenn wir Naturschutz auf der Verkehrsinsel betreiben müssen“, sagt Eininger, „dann wird‘s nix.“ Unstrittig hingegen ist die Bedeutung des Radverkehrs, nicht nur beim Klimaschutz, den der Landkreis seit mehr als zwei Jahren mit einem eigenen Konzept verfolgt. „Das Radfahren ist eine Antwort auf gleich mehrere Verkehrsprobleme“, meint Eininger und Statistiken geben ihm recht. Die Zahl derer, die auf dem Weg zur Arbeit zumindest gelegentlich von vier auf zwei Räder umsteigen, wächst rasant. Pedelecs sind der Verkaufsschlager schlechthin. Corona hat diesen Trend noch befeuert. Das führt auch dazu, dass prognostizierte Nutzerzahlen in Analysen überholt sind, noch ehe die Tinte trocken ist. Für Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel steht deshalb fest: „Wir wollen den Radverkehr priorisieren, damit im Alltag auch größere Entfernungen schnell und gefahrlos möglich werden.“

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