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Traum von der Traglufthalle ist geplatzt

Wassersport Wegen zu hoher Kosten muss der SSV Esslingen die Pläne für eine alternative Trainingsstätte begraben.

Esslingen. So nah dran wie noch nie war der Schwimmsportverein Esslingen (SSVE) dem lang gehegten Traum von einer eigenen Traglufthalle über dem Freibad. Dieser Traum ist geplatzt, wie der Verein unlängst in einer Pressemitteilung und in einem Newsletter an seine rund 3200 Mitglieder mitteilte.

Für den SSVE war es der vierte Anlauf, einen Winterbetrieb im vereinseigenen Freibad zu realisieren. So konkret und detailliert wie noch nie war der Verein an die Pläne gegangen und hatte dafür ein 18-köpfiges Kompetenzteam namens „SSVE 2020“ gebildet. Das kam nun zu dem Schluss: „Der Gesamtinvest ist nicht stemmbar“, sagt SSV Vorstandssprecherin Carola Orszulik. „Als wir mit dem Projekt gestartet sind, lagen die Kosten bei 1,2 Millionen Euro, jetzt sind sie auf 3,8 Millionen Euro gestiegen. Wir bräuchten eine Partnerschaft mit der Stadt Esslingen. Aber die Stadtkassen sind mehr als leer.“ Die Stadt Esslingen wird keine Sonderförderung, die über die übliche Förderung innerhalb der Richtlinien hinausgeht, unterstützen, heißt es aus dem Rathaus.

Die Kostenexplosion lag laut Orszulik an „sinnvollen Ergänzungen“ wie einer barrierefreien Eingangsrampe und einem Blockheizkraftwerk, aber auch an der Erhöhung der CO2-Steuer. „Die Betriebskosten der Traglufthalle hätten sich auf bis zu 10 000 Euro zusätzlich erhöht“, sagt Carola Orszulik, die das Projekt trotzdem nicht als gescheitert ansieht: „So weit wie wir jetzt gekommen sind, waren wir noch nie. Das Projekt-Team war ja genau dafür da, so ins Detail zu gehen, da wir als Verein eine andere Verantwortung als ein Unternehmen haben.“ Schweren Herzens habe sie die Entscheidung getroffen, das Projekt zu begraben. Orszulik sagt aber auch: „Es war keine richtige Entscheidung mehr, sondern eine logische Schlussfolgerung.“

Den Kopf in den Sand stecken wollen sie beim SSVE aber nicht. „Wir brauchen jetzt einen Plan B“, sagt Orszulik. Zumal die Tage der aktuellen Trainings- und Heimspielstätte im Winter, die Traglufthalle des Untertürkheimer Inselbades, gezählt sind. In Cannstatt im Neckarpark soll bis April 2022 das Sportbad Stuttgart entstehen. Wenn das 44 Millionen Euro teure Bad in Betrieb geht, wird die in die Jahre gekommene Traglufthalle im Inselbad nicht mehr aufgebaut. „Über die Belegung machen sich die Verantwortlichen erst in einem Jahr Gedanken“, sagt Orszulik. Das ist für den SSVE zu kurzfristig. Und die nächsten 50-Meter-Hallenbäder sind in Sindelfingen und Heidenheim. „Natürlich genießen wir unsere Freibadanlage, aber wir sind auch ein Sportverein und haben den Leistungssportgedanken“, sagt Carola Orszulik. ez

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