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„Traumschöff“ trotzt dem „Schiff“

Theater Die Kreuzfahrt des Kammertheaters Karlsruhe hatte am ersten Tag gegen Wassermassen zu kämpfen. Mit guten Schauspielern und der Schlagermusik bot das seichte Stück gelungene Unterhaltung. Von Andreas Volz

„Traumschöff im Regen“: Akteure und Publikum hielten auf dem Martinskirchplatz tapfer durch. Foto: Carsten Riedl
„Traumschöff im Regen“: Akteure und Publikum hielten auf dem Martinskirchplatz tapfer durch. Foto: Carsten Riedl

Eine Schlagerrevue, bei der die einzelnen Lieder durch lockere Episoden verbunden sind: Das war das „Traumschöff“ des Kammertheaters Karlsruhe auf dem Kirchheimer Martinskirchplatz. Ein Beispiel für die Anpassung der Handlung an die Schlager ist der „Griechische Abend“, der im Mittelpunkt des Geschehens steht - wenn er sich auch eher während der Pause abspielt. Das Stück teilt sich also in zwei Teile auf: in den ersten, vor dem „Griechischen Abend“, und in den zweiten, in dem unterschiedliche Wissens- und Erinnerungslücken gefüllt werden, um die Ereignisse genau dieses Abends aufzuarbeiten.

Es könnte geradesogut ein italienischer oder spanischer Abend sein. Aber der „Griechische Abend“ gibt eben den Anlass, im Vorfeld „Akropolis adieu“ oder „Griechischer Wein“ zu singen. Besser hätte es zum ersten griechischen „Traumschöff“-Abend in Kirchheim freilich gepasst, „Rhodos im Regen“ anzustimmen.

Der guten Stimmung des Publikums taten die geöffneten Himmelsschleusen aber keinen Abbruch: Die Zuschauer klatschten - sofern sie keine Schirme halten mussten - im Rhythmus der Musik und hielten sich auch bis zum Schluss an die interaktive Vorgabe, jedes Mal „La ola“ über den Platz laufen zu lassen, wenn auf der Bühne das Stichwort „Welle“ fiel.

Auch die beiden Schauspielerpaare trotzten dem Regen in Kirchheim standhaft. Zu viert schlüpften sie in Dutzende unterschiedlicher Rollen, wobei ihre sommerliche Traumschöff- und Traumurlaubs-Garderobe nicht gerade zu den Umgebungstemperaturen passte. Sie gaben alles - beim Spielen und beim Singen. Handwerklich war es eine gelungene und stimmige Unterhaltung.

Indessen mussten die Akteure nicht nur mit dem Wetter kämpfen, sondern auch mit einem Stück, bei dem ein Fingernagel ausreicht, um den Tiefgang auszuloten. Regelmäßig waren sie gezwungen, die amourösen Abenteuer der Kreuzfahrturlauber durch unnötig zotige Gesten eindeutig anzudeuten.

Mehr Schein als Sein

Mit etwas gutem Willen ließen sich dem Stück dennoch gewisse Lehren entnehmen: wie Menschen - gerade auch im Urlaub - dazu neigen, zwischen Schein und Sein zu unterscheiden. Dabei machen sie den Kabinennachbarn gerne sehr viel Schein vor. Aber auch ihren Partnern, und oft genug sogar sich selbst, verdecken sie die Sicht auf ihr wahres Sein. Wichtigste Erkenntnis: „Er gehört zu mir“, auch wenn „er“ - genau wie „sie“ - die Nacht nach dem „Griechischen Abend“ nicht unbedingt in der eigenen Kajüte verbringt. Die Quintessenz des „Traumschöff“-Urlaubs jedenfalls hatte das abschließende Lied zu bieten - „Moskau“ von „Dschinghis Khan“. Dort heißt es: „Liebe schmeckt wie Kaviar, Mädchen sind zum Küssen da“. So ungefähr müssen sich die Autoren eine Kreuzfahrt vorstellen.

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