Unzugeordnete Artikel

Über sieben Brücken soll er führen

Infrastruktur Das neue Demonstrationsstück für den Radschnellweg Reichenbach ‒ Stuttgart ist bislang lediglich 1,3 Kilometer lang. Aber schon jetzt macht es Appetit auf mehr. Von Peter Dietrich

Die Radgruppe mit Bürgermeis­tern, Regierungspräsident und Verkehrsminister nahm die neue Demostrecke unter ihre Reifen. Fotos:
Die Radgruppe mit Bürgermeis­tern, Regierungspräsident und Verkehrsminister nahm die neue Demostrecke unter ihre Reifen. Fotos: Peter Dietrich

Wir wollen zeigen, wie es hinterher aussieht“, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer bei der Eröffnung des Demonstrationsstücks für den Rad­schnellweg „RS 4“, der von Reichenbach nach Stuttgart führen soll. Das Stück beginnt an der Landkreisgrenze westlich von Ebersbach und erstreckt sich 1,3 Kilometer weit Richtung Reichenbach. Reimer ging auf die Schwierigkeiten beim Bau ein: Es brauche zwei Unterführungen, vier Mal werde der Neckar überquert und drei Mal die Fils. „Es ist leichter, eine Straße durchzuwinken.“

„Wir können nicht immer nur davon reden, dass ein Radweg kommt, wir müssen es auch zeigen“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann. Vor vier Jahren hätten im großen Sitzungssaal des Landratsamts Esslingen alle Bürgermeister unterschrieben. „Alle waren begeistert, alle fanden es gut. Doch dann hat es mich ziemlich verwundert, dass die Zahl der Bedenkenträger so gewachsen ist.“ Es sei nicht leicht, im dicht bebauten Raum eine geeignete Trasse zu finden. Sichtlich verärgert sprach Verkehrsminister Hermann von einer „Blockadehaltung“. „So kommen wir nicht weiter.“

Dieser Radschnellweg sei eines von drei Pilotprojekten, die anderen beiden seien Mannheim -Heidelberg und Heilbronn - Bad Wimpfen. „Da wird überall heftig geplant, aber es geht wirklich zäh voran. In diesem Tempo werden wir das Klima nicht retten.“ Hermanns Einstellung ist derzeit ambivalent: „Ich bin zuversichtlich und genervt.“ Die Naturschützer bat der Verkehrsminister um eine Abwägung, was es zu schützen gelte. Er berichtete von einer aktuellen Exkursion einer kleinen Gruppe zu Radwegen in den Niederlanden: „Da haben die Leute große Augen gekriegt.“

Der Esslinger Landrat Heinz Eininger freut sich über „ein sichtbares Zeichen, dass es noch was werden könnte“. Planungsprozesse für den ÖPNV und den Radverkehr dauerten viel zu lange. Was im Arten- und Naturschutz vorrangig und nachrangig sei, solle bitte der Bundesgesetzgeber entscheiden. Der Kreis Esslingen habe einen weiteren Radschnellweg im Blick, er solle von Kirchheim über Köngen auf die Fildern und von dort ins Neckartal führen. Noch immer würden viele Strecken unter fünf Kilometern per Auto zurückgelegt, sie seien ideal fürs Rad. „Es freut mich, dass wir heute ein Zeichen setzen.“ Das bringe „hoffentlich einen Schub“.

Der Göppinger Landrat Edgar Wolff sagte, auch im Landkreis Göppingen sei der Radschnellweg alles andere als leicht zu verwirklichen. Ursprünglich sollte er bis Geislingen führen, nun werde er - zumindest vorerst - bis Süßen geplant. Nach den Ansprachen schwangen sich alle Politiker aufs Rad, um den Demoabschnitt zu tes­ten. Landrat Heinz Eininger sagte, er würde am liebsten gleich weiter nach Plochingen radeln, um dort nach den Hindernissen für den Radschnellweg zu sehen. Doch nach kurzer Zeit kehrte die Gruppe auf dem vier Meter breiten Weg gemeinsam zurück. Es war eine Besetzung mit echtem Bezug zum Rad: Beim Verkehrsminister ist das allgemein bekannt, auch Heinz Eininger fährt Rad, Edgar Wolff ist begeisterter Rennradfahrer und Eberhard Keller Mitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Zwischen Straße und Radschnellweg gibt es durchweg eine stabile Metallabsperrung. Sie ist hässlich, könnte vielleicht begrünt werden, schützt aber die Radfahrer vor ausbrechenden Motorfahrzeugen. Einen Fußweg parallel zum Radschnellweg gibt es nicht. Es gibt eine schönere Alternative auf der nördlichen Seite der Bahnlinie. Dort können weiterhin auch „gemütlichere“ Radfahrer fahren.

Anzeige