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Unsäglicher Schlingerkurs

Zum Artikel „Land macht Rückzieher bei den Weihnachtsferien“ und zum Leitartikel „Absurdes Theater“ vom 2. Dezember

Als betroffene Großeltern muss man sich wirklich fragen, mit welchem Klammerbeutel Kultusministerin Eisenmann und Ministerpräsident Winfried Kretschmann gepudert waren, als sie aus der bundesweiten Regelung, mit dem Ziel der Kontaktminderung den Beginn der Weihnachtsferien auf den 19. Dezember vorzuziehen, ausscherten und nun für Baden-Württemberg den 23. Dezember proklamierten.

Zur Vorgeschichte: Die Kultusministerin bezeichnete diesen Beschluss zunächst als „kluges Vorgehen“, was sie aber nicht daran hinderte, den Ministerpräsidenten ein paar Tage später in ihrer brachial dragonerhaften Weise über den Tisch zu ziehen und dieser schließlich von einem „guten Kompromiss“ sprach. Ein beispielloser Vorgang und schlecht inszeniertes Affentheater. Ausgerechnet Kretschmann, der seither ja zusammen mit Markus Söder und der Kanzlerin als konsequenter und deswegen auch von mir geschätzter Hardliner in Sachen Coronapolitik galt. Dieser Nimbus ist jetzt wohl endgültig dahin.

Man muss annehmen, dass in den letzten beiden Schultagen vor Weihnachten an den baden-württembergischen Schulen kein tiefschürfender Unterricht, sondern das stattfindet, was man gemeinhin „aufgelockerten Unterricht“ nennt: Basteln, Spielen, Wichteln, Weihnachtslieder singen . . . Axel Habermehl deutet in seinem treffenden Kommentar das Risiko an, dass in diesem „aufgelockerten“ Rahmen - vielleicht auch bei gelockerten AHA-Regeln - sich der eine oder andere Schüler das Virus einfängt, an Weihnachten die Familie ansteckt, und an Dreikönig „der Opa auf der Intensivstation liegt“. Mit zwei Stuttgarter Enkeln, die dem Alter nach an den letzten beiden Schultagen Präsenz zeigen müssten, könnte ich ein solcher Opa sein. Keine schöne Vorstellung!

Dr. Ernst Kemmner, Kirchheim

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