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Unverpacktes Einkaufsvergnügen

Nachhaltigkeit Der Nürtinger Genossenschaftsladen „Glas und Beutel“ eröffnet am morgigen Donnerstag. Er führt Lebensmittel und Reinigungsprodukte, die nicht in Wegwerfverpackungen stecken. Von Philipp Sandrock

Das Team des „Unverpacktladens“ im Verkaufsraum: In Schütten und Glasbehältern werden Nudeln, Bohnen und Öl angeboten. Foto: Ral
Das Team des „Unverpacktladens“ im Verkaufsraum: In Schütten und Glasbehältern werden Nudeln, Bohnen und Öl angeboten. Foto: Ralf Just

In der Marktstraße 10 in Nürtingen hat sich einiges getan: Die ehrenamtlichen Helfer des „Unverpacktladens“ haben seit den Sommerferien Verkaufsraum und Nebenräume des Gebäudes renoviert, aus- und umgebaut. Es wurden Regale konstruiert, Schütten montiert und eine Kaffeebar installiert. Vor den Schaufenstern ist eine Sitzgruppe mit Kinderspielecke entstanden, und die Stiftung Ökowatt hat ein modernes Kassensystem gesponsert. Am morgigen Donnerstag wird es dann ernst für den ersten wegwerfverpackungsfreien Laden im Landkreis Esslingen: Der reguläre Betrieb im „Unverpacktladen“ beginnt.

Ein Jahr Vorbereitung hat das Team um den dreiköpfigen ehrenamtlichen Vorstand der Genossenschaft in den Laden gesteckt. „Wir starten mit 286 Produkten“, sagt Vorstandsmitglied Klaus Seeger. Es sind vor allem Lebensmittel, die meisten davon in Bio-Qualität, ergänzt sein Vorstandskollege Michael Medla. Getreide, Mehl, Müsli und Nudeln, aber auch Hülsenfrüchte, Gewürze und Süßwaren haben die Genossen im Angebot. Auch verschiedene Essigsorten und Öle können Kunden in mitgebrachte Gefäße abfüllen. Ziel ist es, Wegwerf-Verpackungen zu vermeiden. So gibt es im Laden auch Reinigungs- und Waschmittel nur zum Selbstzapfen. Als Frischware sind zunächst Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln im Sortiment.

„Die Kunden bringen ihre Dosen oder Flaschen mit, ziehen das Leergewicht ab und bezahlen das Gewicht des Inhalts“, erläutert Medla. Aber auch andere Verpackungen sind möglich. Klaus Seeger präsentiert den Inhalt seines Rucksacks. Die Kartoffeln und Zwiebeln hat er in Bäckertüten gesteckt, sein Lieblingsmüsli in einen Glasbehälter gefüllt. Schon seit Tagen läuft ein interner Testlauf, bei dem die Genossenschaftsmitglieder vorab einkaufen konnten. „Viele haben uns gefragt, ob sie auch Plastikdosen mitbringen können“, sagt Vorstandsmitglied Rena Junginger. „Das ist völlig in Ordnung, so lange sie wiederverwendbar sind“, erläutert Medla. „Es geht bei unserem Konzept ja darum, Müll zu vermeiden.“ Vorschriften, welche Gefäße die Kunden mitbringen dürfen, gibt es nicht. Sie müssen aus hygienischen Gründen lediglich sauber gespült sein. Wer keine Verpackung dabei hat, wird auch im Laden fündig: In einem Regal stehen wiederverwendbare Flaschen und Gläser, die man ebenfalls kaufen kann. Außerdem gibt es eine Kiste mit Gratis-Behältern.

In den vergangenen Wochen hat sich das rund 50-köpfige Helferteam auf den Verkaufsbeginn vorbereitet. Unterstützung, Tipps und Ratschläge haben die Genossen auch aus der Nürtinger Geschäftswelt erhalten. Im Laden liegen ein Buch und Notizzettel aus, auf denen Kunden und Mitglieder Verbesserungsvorschläge machen oder Produktwünsche äußern können. Schließlich soll das Angebot weiter ausgebaut werden.

Ein großes Eröffnungsfest ist für Samstag, 26. Oktober, ab 11 Uhr geplant. Neben den Machern des Ladens haben sich auch Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich und Umweltminister Franz Untersteller angekündigt.

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