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Veganer Ernährungswahn?

Zu den Artikeln: „Das heilige Mahl“ und „Hören Sie auf Ihren Körper“ vom 9. Oktober

Veganer sind keineswegs - wie der Artikel „Das heilige Mahl“ suggeriert - allesamt pseudoreligiöse asketische Hungerleider oder Gesundheitsfanatiker, die nach Selbstoptimierung und maximaler Leistungssteigerung in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem streben. Gemäß einer Studie der Uni Kassel lehnt die große Mehrheit von ihnen den Konsum von Tierprodukten aus überwiegend ethischen, teilweise auch aus sozialen, ökologischen oder kapitalismuskritischen Motiven ab.

Die vegane Bewegung lässt sich folglich nicht als typisches Phänomen einer übersättigten Wohlstandsgesellschaft abtun, sondern ist Ausdruck einer gewandelten Einstellung zu Tieren, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreicht. So sprach sich bereits der griechische Philosoph Plutarch vehement dagegen aus, Tiere für den menschlichen Genuss zu töten, da sie nicht zum Nutzen der Menschen, sondern um ihrer selbst willen geschaffen seien. Auch später argumentierten bekannte Persönlichkeiten wie beispielsweise da Vinci, Tolstoi oder Einstein aus ethischen Gründen gegen das Fleischessen.

Anfang des 19. Jahrhunderts erstarkte besonders in England die vegetarische Bewegung, gleichzeitig nahmen erste vegane Konzepte Gestalt an. 1944, in einer Zeit also, die eher vo n Mangel denn von materiellem Überfluss geprägt war, gründete der britische Tischler Donald Watson schließlich die „Vegan Society“, die bis heute existiert. Gemäß ihrer Definition bedeutet eine vegane Lebensführung: „soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll.“

Marie-Luise Strewe, Lenningen

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