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Verteidigung im Indopazifik?

Zum Artikel „Bundesmarine - Fregatte startet in den Indischen Ozean“ vom 3. August

Kürzlich stach die Fregatte „Bayern“ in See. Das Kriegsschiff soll mehrere Monate im Indischen Ozean und im Westpazifik kreuzen. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer will ein „Zeichen der Solidarität“ setzen: Wo Deutschlands „Werte und Interessen betroffen sind“, soll Flagge gezeigt werden. Beim Operationsgebiet der „Bayern“ handelt es sich um eine der brisantesten Krisenregionen der Welt: Im Konflikt um die Kontrolle im Südchinesischen Meer zwischen China, den Philippinen, Vietnam, Malaysia, Indonesien und Japan werden in letzter Zeit immer häufiger Scharmützel zwischen den Küstenwachen der Anrainerstaaten gemeldet. Die „Bayern“ ist nicht allein: Auch britische, französische und niederländische Kriegsschiffe verstärken ihre Präsenz im Indopazifik im Namen der „Freiheit der Schifffahrt“.

Gerechtfertigt wird das europäische Engagement mit der wachsenden weltwirtschaftlichen Bedeutung der Region. Durch den Indischen Ozean, die südostasiatischen Gewässer und den Westpazifik verlaufen die wichtigsten Handelsrouten zwischen Asien und Europa und rund 40 Prozent des Außenhandels der EU, unter anderem mit ihrem inzwischen zweitwichtigsten Handelspartner China. Allerdings kann bezweifelt werden, dass die Freiheit der Schifffahrt durch China gegenwärtig tatsächlich bedroht ist - als mächtigste Handelsnation der Welt läge das nicht in ihrem Interesse.

Mit der Kreuzfahrt der „Bayern“ beteiligt sich Deutschland an der aggressiven Eindämmungsstrategie der USA. Die Ausweitung des militärischen Engagements ist eine Gratwanderung: Sie steht im Widerspruch zu den Bemühungen, die Geschäfte mit dem Wirtschaftspartner China auszubauen. Dies könnte die Beziehungen zusätzlich verkomplizieren und zu unkalkulierbaren Verstrickungen in Konflikte führen.

Hans Dörr, Notzingen

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