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Verwandte im Geiste

Zum Leserbrief „In was für einer Welt leben wir?“ und zu „Iss dein Haustier oder werde Vegetarier“ am 17. und 18. Oktober

Herr Lempp fordert uns zu Recht auf, für mehr Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität untereinander und für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Dem möchte ich Folgendes hinzufügen: Eigenschaften wie (Selbst)Bewusstsein, Intelligenz und Gefühle, Empathie, Fürsorge, die Entwicklung sozialer Spielregeln, Bindung und Freundschaft, Konfliktlösung und gegenseitige Hilfe, Gerechtigkeitssinn und Fairness sind im Tierreich entstanden, lange bevor Homo sapiens auf dieser Erde erschien. Heute wissen wir, dass Tiere uns (und wir ihnen) in vielem ähnlich sind.

Ungeachtet dessen behandeln wir unsere „Verwandten im Geiste und im Leiden“ mit einer kaum zu überbietenden Gefühllosigkeit. Wir zerstören in großem Stil ihre Lebensräume, halten sie in drangvoller Enge gefangen, berauben sie ihrer Kinder, schlachten sie am Fließband ab, vergiften und verstümmeln sie in Versuchslaboren, lassen sie zu Milliarden an Deck von Fangschiffen ersticken oder benutzen sie als lebende Zielscheiben. In seinem Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ schreibt Milan Kundera: „Die wahre menschliche Güte kann sich in ihrer absoluten Reinheit und Freiheit nur denen gegenüber äußern, die keine Kraft darstellen. Die wahre moralische Prüfung der Menschheit (. . .) äußert sich in der Beziehung der Menschen zu denen, die ihnen ausgeliefert sind: zu den Tieren. Und gerade hier ist es zum grundlegenden Versagen des Menschen gekommen, zu einem so grundlegenden Versagen, dass sich alle anderen aus ihm ableiten lassen.“

Besinnen wir uns endlich auf unsere Menschlichkeit! Kämpfen wir für eine gerechtere Welt für die Menschen und für die Tiere!

Marie-Luise Strewe, Lenningen

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