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Verzerrtes Bild

Zum Artikel „Das Virus liebt die Nähe zur Alb“ vom 25. April

Wie schnell sich doch ein Leser von aufrüttelnden Überschriften oder plakativ ins Bild gerückten Darstellungen spontan in die Irre führen lässt. Selbst derjenige, der sofort verstanden hat, dass sich die Darstellung im Bericht auf die Bezugsgröße von 100 000 Einwohner bezieht, kann aufgrund meist fehlender Kenntnis der tatsächlichen Einwohnerzahlen nicht daraus schließen, wie viele Personen im jeweiligen Ort tatsächlich infiziert sind. Diese effektiven Zahlen an Infizierten jagen dem Leser aber zumindest nicht den Schrecken ein wie die Zahlen der Inzidenz. Im Bericht selber wird jeder Leser nur an ganz wenigen Einzelbeispielen mit den realen Zahlen konfrontiert. So wird auch erst in der kleinen Randnotiz auf die derzeitige Gesamtzahl von 1 681 Infizierten im Kreis Esslingen hingewiesen. In der gleichen Rubrik wird auch nur beiläufig am Beispiel Beuren berichtet, welchen Anteil auf die Zahlen etwa die Pflegeheime und andere soziale Einrichtungen in den Kommunen haben.

Die farblich sehr plakative und mit zunächst irritierenden Zahlen-Hinweisen zu den verschiedenen Orten veröffentlichte Berichterstattung steht für mich stellvertretend für den mittlerweile riesigen Hype um die Corona-Pandemie. So läuft eine bildlich dargestellte Statistik Gefahr, den Leser (bewusst?) in die Irre zu führen. Die betroffenen Veröffentlichungen erzeugen so ein teilweise völlig verzerrtes Bild von den wirklichen Geschehnissen.

Das zieht sich seit Beginn der Corona-Pandemie wie ein roter Faden durch die Berichterstattungen der meisten Medien. Im aktuellen Bericht kritisiere ich ausdrücklich die fehlende Empathie für die Beschreibung dieser unsäglichen Entwicklung und die ebenso wenig einfühlsame Darstellung der Zahlen. So lautet in Abwandlung der Aussage von Herrn Keck vom Landratsamt Esslingen mein persönliches Fazit: Unter diesen Voraussetzungen wäre es besser gewesen, die Zahlen nicht herauszugeben.

Roland Weil, Holzmaden

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