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Viel Platz für Büros, wenig für Autos

Verwaltungsgebäude Der Neubau Marktstraße 1+3 soll zum Rollschuhplatz hin ein Walmdach erhalten, das ihn weniger wuchtig erscheinen lassen soll. Geplant sind höchstens zehn Autostellplätze. Von Andreas Volz

Ab 2022 soll auf diesem Platz zwischen Marktstraße und Rollschuhplatz ein Neubau entstehen. Foto: Carsten Riedl
Ab 2022 soll auf diesem Platz zwischen Marktstraße und Rollschuhplatz ein Neubau entstehen. Foto: Carsten Riedl

Noch handelt es sich zwischen Marktstraße und Rollschuhplatz um einen kaum bis wenig genutzten Schotterplatz: Das Gebäude, in dem vor langer Zeit einmal ein Aldi untergebracht war, ist seit einiger Zeit bereits abgerissen. In den kommenden drei Jahren soll dort ein Neubau entstehen, den die Stadt Kirchheim als Verwaltungsgebäude anmieten will.

Die Planung besteht schon lange - und sie war durchaus umstritten: Es ging um die Gefahr, dass das neue Verwaltungsgebäude zu groß und zu umfangreich ausfallen könnte, dass es zu dominant wäre und wichtige Gebäude in der Nachbarschaft in den Schatten stellen würde, beispielsweise das Vogthaus oder sogar das Rathaus.

Wuchtig wird der Neubau immer noch ausfallen. Aber der Gemeinderat hat sich an einer entscheidenden Stelle dafür entschieden, das Gebäude optisch kleiner wirken zu lassen: Zum Rollschuhplatz hin erhält es ein Walmdach. Es gibt also keine Giebelfront, die bis zur Firsthöhe reicht. Gegenüber einem Satteldach als Alternative endet der First viel weiter westlich. Er ragt also nicht so weit in Richtung Rollschuhplatz wie die anderen Geschosse.

Stellplatzfrage bleibt umstritten

Die Entscheidung für das Walmdach fiel eindeutig aus - mit 28 Ja-Stimmen bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Deutlich enger wurde es anschließend bei der Frage nach den Auto-Stellplätzen: Der Beschluss, auf eine Tiefgarage im Untergeschoss zu verzichten und stattdessen gerade einmal acht bis zehn Stellplätze an der Widerholtstraße zu schaffen, ging mit 14 Ja-Stimmen durch - bei elf Gegenstimmen und sieben Enthaltungen. Ganz anders sieht es mit Fahrradstellplätzen aus: Davon sind am oder auch im Gebäude gleich 80 vorgesehen.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß forderte, für die Autostellplätze Lösungen zu finden, die einen Parksuchverkehr ausschließen. Für die Fahrradstellplätze dagegen forderte sie, dass diese nicht nur im Untergeschoss, sondern auch in Erdgeschoss unterkommen. Außerdem seien Lademöglichkeiten für Pedelecs zu schaffen. Zum Raumprogramm sagte sie: „Die Stadt sollte da auch Räume für die Fraktionen bereitstellen, spätestens im zweiten Bauabschnitt.“

Marc Eisenmann, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat, verwies auf seine frühere Forderung, Verhandlungen mit dem Land aufzunehmen, um am Finanzamtparkplatz ein zusätzliches Parkdeck zu schaffen. Hinter einen möglichen zweiten Bauabschnitt - der eines Tages das erhalten gebliebene Gebäude direkt an der Marktstraße ersetzen soll - wollte er ein großes Fragezeichen setzen: „Vielleicht lohnt es sich irgendwann gar nicht mehr, an dieser Stelle auszubauen.“

Rundum zufrieden zeigte sich Heinrich Brinker (Linke) mit der Tatsache, dass die Planung für Stellplätze in einem oder gar zwei Untergeschossen nicht mehr weiterverfolgt wird. „Das ist ein gutes Ergebnis, und da war auch der Denkmalschutz sehr hilfreich“, stellte er erfreut fest.

Gerd Mogler von der Christlichen Initiative Kirchheim (CIK) war dagegen nur wenig zufrieden mit der Planung: „Ich bin froh, dass wir vom Satteldach weg sind, finde es aber schade, dass stattdessen das Walmdach kommt.“ Ein Walmdach mit aufgestelltem Giebel hätte ihm besser gefallen. Auch die Lösung mit den Stellplätzen hielt er für „extremst unbefriedigend“.

So erging es auch Renata Alt (FDP/KiBü): „Es gibt hier zu wenig Stellplätze für Autos. Das ist schon fast ignorant denjenigen gegenüber, die nicht mit dem Fahrrad kommen können. Die Zahl derer, die auf das Auto angewiesen sind, wird nicht abnehmen.“

In diesem Fall bleibt also tatsächlich abzuwarten, was sich eines Tages mit dem Finanzamtparkplatz erreichen lässt. Was das Verwaltungsgebäude Marktstraße 1+3 betrifft, sind die Planungen schon weiter: Baubeginn 2022 und Inbetriebnahme 2023 oder 2024. Die Stadt will das Gebäude 30 Jahre lang vom Investor mieten. Nach Ablauf der Vertragszeit besteht eine Kaufoption für die Stadt.

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