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Vielleicht der wertvollste Sieg bisher

Basketball Die Knights melden sich nach der Schmach im Artland gegen Heidelberg eindrucksvoll zurück und reisen nun als Tabellendritte nach Rostock. Von Bernd Köble

Till Pape. Foto: Markus Brändli
Till Pape. Foto: Markus Brändli

Ein Krimi ohne Kirchheimer Opfer und ein eiskalter Killer. Basketballfans haben am Mittwoch spannende Abendunterhaltung aufgetischt bekommen. In einem Spiel, in dem der Favorit aus Heidelberg lange Zeit als die cleverere von beiden Mannschaften aussah, haben sich die Knights in eigener Halle für einen Kraftakt in der Schlussphase belohnt. Ein Korbleger plus Bonusfreiwurf, den Max Mahoney überlegt ans Brett setzte, sicherte den Kirchheimern 1,4 Sekunden vor Ablauf der Uhr einen hauchdünnen 91:90-Erfolg gegen den Aufstiegsanwärter vom Neckar, der gleichzeitig Platz drei bedeutet.

Das Debakel in Quakenbrück mit einem Schlag vergessen, die Mannschaft zurück in der Rolle des Favoritenschrecks. Wenige Tage vor dem Knaller am Sonntag beim Spitzenreiter in Rostock haben die Ritter ihr Nervenkostüm glatt gebügelt, auch wenn das zu Beginn des Spiels noch anders aussah. Nach der Schmach im Artland war die Verunsicherung gegen einen Gegner, der sich zuletzt in bärenstarker Form gezeigt hatte, deutlich spürbar. Glücklose Würfe, kein Zugriff in der Abwehr, als Heidelberg drauf und dran war, seine Führung zweistellig auszubauen, sah vieles nach der nächs- ten Kirchheimer Enttäuschung aus. Doch schon vor der Pause wendete sich das Blatt. „Wir hatten defensiv Probleme mit dem Tempo beim Pick and Roll“, sagt Kirchheims Coach Igor Perovic. „Wir haben dann rechtzeitig ein paar Dinge verändert, danach hatten wir die bessere Kontrolle.“

Ignjatovic mit schlafloser Nacht

In der zweiten Hälfte war es dann ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie es gegen Heidelberg schon häufiger der Fall war. Ein Spiel, in dem sich selbst Trainer wünschten, dass ein Remis auch im Basketball eine Option wäre. So jedoch stand Gästecoach Frenkie Ignjatovic mal wieder eine schlaflose Nacht bevor. X-Mal hat er sich die entscheidende Schlussszene angesehen, bevor es morgens um fünf dann doch noch zu Bett ging. „Die Art, wie wir Mahoney im Eins-gegen-eins verteidigen, kann man in einer solchen Situation nicht machen“, musste Heidelbergs Trainer feststellen. „Mahoneys Athletik ist bekannt“, meint er. „Das war eine Einladung.“ Wer als Topteam gelten wolle, dürfe keine 90 Punkte zulassen. Trotzdem zollt der Mann mit der langen Kirchheimer Vergangenheit dem Gegner Respekt. „Man hat gesehen, dass Kirchheim im Rhythmus ist, dass die Automatismen besser funktionieren als bei uns.

Dass ein Spiel alles verändern kann, daran hat auch Igor Perovic nie geglaubt. Anders als viele behaupten, hat er nach dem Artland-Spiel keine Selbstzweifel in seiner Mannschaft wahrgenommen. „Denen ist an diesem Tag alles gelungen, uns nichts“, sagt er. „Solche Momente gibt es. Ich sehe meine Mannschaft jeden Tag und weiß, was sie kann.“ Ein Vertrauen, das offenbar auch diejenigen spüren, die für Unterstützung von der Bank sorgen müssen. Andreas Nicklaus erhielt am Mittwoch ungewohnt früh seine Chance gegen das Zonen-Bollwerk mit Trtovac und Heyden und erntete nach elf Minuten Einsatzzeit ein Sonderlob vom Trainer: „Andi spielt seine Rolle sehr professionell, und er ist für seine Größe ungeheuer schnell und mobil“, sagt der.

Auch Nico Brauner benötigte wie schon gegen die Artland Dragons keinerlei Warmlaufzeit und verwandelte wichtige Würfe in kritischen Phasen der zweiten Hälfte. „Wir sind als Mannschaft erwachsener und reifer geworden“, meint Till Pape, der mit 19 Punkten als Kirchheimer Topscorer glänzte und, wie schon die Wochen zuvor, als der Mann mit den unauffälligen, aber entscheidenden Szenen in Erscheinung trat. „Vor wenigen Monaten noch“, sagt er „wären wir nach diesem ersten Viertel abgeschossen worden.“

Rostock hat Rechnung offen

Was das fürs Top-Duell am Sonntag mit dem Spitzenreiter bedeutet? Eines steht fest: Ein zweites Mal werden die Rostocker den Gegner aus Kirchheim nicht unterschätzen. Unverwundbar ist das Team von Dirk Bauermann trotzdem nicht, wie die 82:95-Niederlage am Mittwoch in Leverkusen gezeigt hat. Topscorer Behnam Yakchali fehlt weiterhin verletzt, Kapitän Chris Carter ist noch nicht bei hundert Prozent und Neuzugang Tyler Nelson, der als Scharfschütze erst im Januar verpflichtet wurde, fehlt noch die Bindung zum Spiel. Jede Menge Qualität steckt freilich auch so in der Mannschaft. Am Samstag früh um 8 Uhr machen sich die Knigths auf die Reise. Das Spiel in Rostock beginnt um 16 Uhr.

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