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Vierfachhochzeit in Wernau verzögert sich

Projekt Die Verschmelzung von vier Sportvereinen wird frühestens 2022 verwirklicht.

Wernau. Die geplante Verschmelzung von vier Sportvereinen in Wernau wird sich weiter verzögern - und damit auch die Umsetzung des neuen Sportparks Neckartal. Alle Beteiligten stehen allerdings weiterhin voll hinter dem Projekt und sind entschlossen, es ab 2022 mit Leben füllen. „Wenn ich Mitglieder in der Stadt treffe, fragen die schon mal nach, ob das noch was wird“, erzählt Manfred Leutz, der Vorsitzende des TSV Wernau - dessen Name auch der neue Verein mit dann 3000 Mitgliedern tragen soll. „Es wird was“, erklärt Leutz dann. „Wir wollen es umsetzen. Das Projekt soll nicht einschlafen.“

Im Jahr 2015 gab es erste Gespräche zwischen Vertretern des TSV, der Wernauer SF, des HC Wernau und des TC Wernau, in denen sie den Willen bekundeten, die Kräfte zu bündeln. Es wurde im Verlauf der Zeit immer konkreter, und im Sommer 2020 hätte ein Knopf dran gemacht werden sollen. Dann kam Corona. Nun aber beruhigen sowohl die Chefs der vier Klubs als auch Bürgermeister Armin Elbl alle Zweifler: Die Verschmelzung soll kommen - und da das die Voraussetzung ist, auch der Ausbau des Sportparks.

Nur wird es eben noch ein bisschen dauern, und der Umfang der Bauarbeiten hängt auch von den finanziellen Auswirkungen der Coronapandemie ab. „Für mich ist das Projekt immer noch realistisch und immer noch denkbar“, sagt Elbl und beteuert, dass das auch die Mehrheit des Gemeinderates so sieht: „Wenn es keine Verschlimmerung gibt, sind wir nach wie vor guter Hoffnung, dass wir es uns in irgendeiner Form leisten können.“

„Der TCW steht da nicht im Wege“, sagt Klaus Hummel, der kommissarische Vorsitzende des Tennisclubs. Und HCW-Chef Markus Mangold erklärt: „Ich habe keinen Gegenwind.“ Auch der WSF-Vorsitzende Oliver Bartsch sieht das Projekt als „großen Schritt für Wernau und seine Bürger“. Er befürchtet jedoch, dass die Begeisterung bei den Mitgliedern, die die Verschmelzung absegnen müssen, sinkt: „Ich könnte mir vorstellen, dass alles ein bisschen reduziert wird und dass das eine oder andere Mitglied der Sache nicht mehr zustimmt, weil es weniger Bonbons zu verteilen gibt.“ Hummel sähe dagegen „kein Problem, wenn alle Sportarten gleich viel Abstriche machen müssten“.

Geplant ist - nach wie vor -, dass das TSV-Gelände auf dem Kehlenberg an die Stadt abgetreten wird, die dort Wohnungen bauen möchte. Die 1,2 Millionen Euro, die der Wert des Geländes beträgt, sollen voll in den neuen Sportpark am Neckar fließen. Ein Kunstrasenplatz, eine Gerätehalle und eine Kalthalle sollen entstehen. Und möglicherweise der eine oder andere Tennisplatz, denn die sechs auf dem Berg fallen ebenfalls weg.

Ob alles so kommt? Bürgermeis­ter Elbl versprüht Optimismus, sagt aber auch: „Wir müssen auf Sicht fahren.“ Grundsätzlich geht er davon aus, dass die Mittel für den Ausbau der Sportstätten zur Verfügung stehen werden. Die veranschlagten Kosten wurden schon vor Corona von elf auf neun Millionen Euro reduziert: „Im Moment haben wir keine neue Planung.“ Im Herbst sei die finanzielle Situation der Stadt so weit überschaubar, dass mehr Klarheit herrscht. Bereits Ende Februar soll es ein weiteres Gespräch geben. Eines erklärt Elbl aber jetzt schon: „Wir wollten das Projekt ohne Schulden stemmen. Das kann man jetzt nicht mehr sagen.“

Ebenfalls sicher ist: Nachdem die Verschmelzung der Vereine zunächst für den 1. Juli 2020 ge- plant war und dann mit den Bauarbeiten begonnen werden sollte, ist auch ein Termin Mitte 2021 nicht haltbar. Aus denselben Gründen: Sowohl eine umfangreiche Bürger- information als auch die Jahreshauptversammlungen und die außerordentlichen Versammlungen, auf denen die Mitglieder über den Zusammenschluss entscheiden müssen, sind als Präsenzveranstaltung nicht möglich.

Frühestens Mitte 2022 wird es den neuen TSV Wernau geben können. Trotz aller Vorplanungen, für die bereits im jetzigen Haushalt der Stadt Mittel bereitstehen, dauern die anschließenden Bauarbeiten drei bis vier Jahre. Statt wie geplant 2023 werden die Sportler die neue Anlage also frühestens 2025 beziehen können.

Zwar sagt auch TSV-Chef Leutz, dass es einigen seiner Mitglieder schwerfallen wird, trotz aller Vorteile den lieb gewonnen Kehlenberg zu verlassen. Auf den ersten Blick aber erstaunt vor allem, dass der HCW so sehr hinter dem Zusammenschluss steht. Mangold würde es sogar „unabhängig vom Sportpark machen“. Immerhin hatten sich die Handballer seinerzeit von den WSF zunächst als Wernauer SFH abgespalten und nach deren Ende als HC Wernau weitergemacht. „Es gibt keine Befindlichkeiten mehr“, erklärt Mangold und fügt hinzu: „Wir sind ja auch nicht mehr auf dem Leistungstrip unterwegs.“ Im Gegensatz zu früheren Zeiten. Für den heutigen Chef der 300 Wernauer Handballer überwiegen auch neben den zu erwartenden größeren Hallenkapazitäten die Vorteile: Es braucht keine Mehrfachmitgliedschaften mehr, die Verwaltung wird vereinfacht. Und: „Wir haben seither kein Vereinsheim mehr, das finde ich für das Vereinsleben aber extrem wichtig.“ Sigor Paesler

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