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Virtuoses Spiel mit feurigem Abschluss

Konzert Bernhard Moosbauer und Hanzo Kim präsentierten Violin- und Cembalomusik im Alten Gemeindehaus und entführten die Zuhörer auf eine Reise durch das barocke Italien. Von Hans-Günther Driess

Bernhard Moosbauer (rechts) und Hanzo Kim nahmen die Zuhörer auf eine Reise durchs Barock mit.
Bernhard Moosbauer (rechts) und Hanzo Kim nahmen die Zuhörer auf eine Reise durchs Barock mit.

Nach neun Monaten Corona-Zwangspause konnte nun wieder ein Konzert des Kulturrings der Volkshochschule Kirchheim über die Bühne gehen. Die beiden Musiker Bernhard Moosbauer und Hanzo Kim entführten die Zuhörer in das Land, „wo die Zitronen blühen“, und gaben einen Einblick in das Reisen vor 300 Jahren mit all seinen Erlebnissen, Schwierigkeiten und Abenteuern. Dazu präsentierten sie barocke Violin- und Cembalomusik aus den kulturellen Zentren Italiens und eindrückliche Reiseberichte aus dem 18. Jahrhundert.

Anfangs- und Endpunkt der musikalischen Reise durchs italienische Barock ist Venedig, wo Tommaso Albinoni, ein Zeitgenosse von Bach und Vivaldi, wirkte. Seine Sonate D-Dur op. 7/6 spielt Bernhard Moosbauer beseelt mit dem feinen Ton seiner Barockgeige. Im zweiten Satz gefällt das exakte Zusammenspiel des Duos und Hanzo Kim muss am Spinett in Anbetracht des sehr schnell gewählten Tempos des Schlusssatzes seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellen.

Nach Informationen über die gesamtkulturelle Blüte, Architektur und Atmosphäre in den italienischen Musikstädten, schließen sich zwei Cembalo-Sonaten von Domenico Scarlatti an, der als Wegbereiter der Frühklassik gilt, was hier deutlich zu hören ist.

In zwei Sätzen aus „Partite“ von Giovanni Battista Vitali - wir sind jetzt in der schönen Stadt Bologna - spielt Moosbauer die Toccata klangvoll, weich und sauber intoniert. Das südländische Temperament lässt er aufblitzen im für die Emilia Romagna typischen pantomimischen Tanz „Barabano“. Bologna ist zu dieser Zeit das Zentrum der Instrumentalmusik in Italien. Hier hat auch Arcangelo Corelli gelebt, ehe er sich 1675 in Rom niederlässt und dort zur beherrschenden Musikerpersönlichkeit heranreift. Moosbauer erläutert, wie er dort den Grundstein legt für die Gattungen Sonate und Concerto grosso und als „Nuovo Orfeo“, als neuer Orpheus, gefeiert wird. Er hat allerdings nur Instrumentalmusik geschrieben, keine Vokalmusik.

Nach diesen überleitenden Informationen erklingt die Sonate e-moll, op. 5/8 von Corelli, bei der das Zusammenspiel des Duos gefällt. Der zweite Satz sprüht vor Lebensfreude, das barocke „Carpe diem“-Gefühl ist wohltuend nach dem Lockdown in den vergangenen Monaten. Spritzig und virtuos lässt der Geiger den Bogen hüpfen und beachtet dabei stilsicher die barocke Terrassendynamik.

In den Ausführungen zwischen den Musikvorträgen geleitet der Musikwissenschaftler Bernhard Moosbauer das Publikum in Welt der Medici, streift die Künstler Michelangelo, Bernini, Raffael und lässt die Bauwerke Roms vor dem geistigen Auge lebendig werden. Dies schenkt dem Konzertabend Abwechslung und rundet das Gesamterlebnis der barocken Kultur ab.

Der in Neapel wirkende Komponist Nicola Matteis scheint ein „Enfant terrible“ zu sein. Man weiß nicht, wo und wann er geboren ist. Etwa im Jahr 1670 durchwandert er mit der Geige im Rucksack die Alpen, Deutschland und Flandern, um sich in England niederzulassen. Wie er sein Geld verdient, ist unbekannt. Aber eine amüsante Besonderheit über ihn ist überliefert. Er hält seine Geige nämlich nicht mit der Stütze am Hals, sondern am Bauch. Schade, dass Berndhard Moosbauer dies nicht vorgeführt oder kurzerhand coram publico ausprobiert hat.

Dafür intoniert er Matteis’ Preludio für Solovioline sehr beeindruckend. Eine Besonderheit für die damalige Zeit sind die „Variations on a Scotch Humour“, in denen Matteis folkloristische Stilelemente einbaut, die an den Volkstanz Square Dance erinnern und die Violine wie eine „fiddle“ jubilieren lassen.

Wir sind nun am Ende der musikalischen Italienreise angelangt, in Venedig, wo Antonio Vivaldi als Geigenvirtuose, Opern-Impresario und Komponist berühmt war. Den musikalischen Höhepunkt des Konzerts markiert seine Sonate h-moll. Sie ist als Schlussstück eine gute Wahl, denn durch die Tempozunahme von Satz zu Satz wird eine natürliche Schlusssteigerung erreicht. Besonders im dritten Satz, einer feurigen Giga, kann das Duo mit anspruchsvollen Passagen, 32tel-Läufen und wilden Akkordbrechungen das Publikum begeistern.

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