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Voll ansteckender Lebendfreude

Kindermusical Großes Kompliment für die gelungene Aufführung „Die blaue Flöte“ der rund 100 Kinder der Konrad-Widerholt-Grundschule und der Chor AG Notzingen. Von Sabine Ackermann

Musik erfüllt die Stadthalle Kirchheim. Während der Ouvertüre treten Totus, mit seinem „Fernhörer“ sowie Bubus mit seinem „Fernseher“ vor einer heruntergelassenen Leinwand auf die Bühne. Ihre Blicke verheißen nichts Gutes. Beide versuchen mit deutlichen Zeichen des Widerwillens herausfinden, woher diese Töne kommen. „Musik macht krank“, „Musik macht dumm“, „Musik macht dick“ - die Botschaft der Armada von jungen, in einheitliches Blau gekleideten Demonstranten ist unmissverständlich. Mit unbeweglicher Miene halten sie ihre Banner hoch, lassen die Zuschauer wissen: Musik ist unerwünscht, ja sogar verboten.

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Eine Welt ohne Musik, eine Welt, in der selbst die Vögel schweigen? Ein schrecklicher Gedanke, der auf dem Planeten Armon allerdings Realität ist. „Unerträglich! Muuusiiik!“, reibt sich der Obermunkler Totus total angewidert seine Lauscher und regt sich auf: „Wenn ich das schon höre! Und mit sowas quälen die Menschen auf der Erde ihre Ohren!“ Er verbietet auf dem Planeten Armon jegliche Art von Melodien und Liedern - dort herrscht nur Tristesse und Kälte.

Das Musical trifft ins Schwarze

Mit dem musikalischen Abenteuer über die Macht der Musik, hat Regisseurin Ulrike Marquardt sowohl bei den rund hundert Akteuren, als auch beim Publikum in der ausverkauften Stadthalle voll ins Schwarze getroffen. Was für ein schönes und kurzweiliges Kinderstück, bei dem die durchweg deutlich sprechenden, konzentriert aufspielenden und singenden Grundschüler ganz offensichtlich mit Spaß und Können bei der Sache waren - was freilich auch den eingängigen Melodien mit den bisweilen frechen Liedtexten geschuldet ist. „Hör ich ne Sinfonie, packt mich prompt die Kakophonie und ne Allergie gegen Phantasie, wie noch nie“, ertönt es im „Musikhasser-Song“. Modern und schwungvoll, nicht wenige Zuschauer, die begeistert Mitklatschen und Mitwippen. Sogar die Jüngsten aus dem Publikum lassen sich vom Rhythmus anstecken. Voll niedlich, wie zwei kleine Dreikäsehochs immer wieder ihren Mamas ausbüxen, artig am Rand der Stuhlreihen entlanglaufen und mit Blick auf die Bühne die Hüften schwingen.

Natürlich gibt es auch in diesem Kinderstück die Guten und Schlauen: Lara und Rufus, zwei Bewohner des totenstillen Planeten, kommen mit einem Geheimauftrag auf die Erde: Sie müssen Miranda, die Musikerin mit der blauen Flöte finden und deren Zauberlied über die Grenze schmuggeln. Nur so lässt sich Totus aufhalten, der gleichfalls auf der Erde die Musik verbieten will.

Für schöne Abwechslung sorgt der stetige Wechsel von kurzen Spielszenen und Liedern. Entweder als Einheit gesungen vom Chor oder von unterschiedlichen Solisten, denen für ihren Mut als Einzelkämpfer ganz besonderer Respekt gebührt.

Sorgten die musikalischen Texte oft für Erheiterung beim Publikum, standen dem auch manche Dialoge in nichts nach: „Sagt mal, ist Fernsehen bei euch so eine Art Krankheit?“, möchte Bubus wissen. „Mmm, kann man so sagen und sehr weit verbreitet“, sagt ein Erdenbewohner und ein zweiter schiebt nach: „Ja, und meistens leider unheilbar“. Am Ende gab es zu Recht jede Menge Beifall für das großartig präsentierte Stück und die Erkenntnis: Musik kann jeden Menschen erreichen.