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Vom alten Denken lösen

Zum Artikel „Bildung führt am ehesten aus der Armut“ vom 30.  Januar

Soziale Spaltung und Ungleichheit wird bei Wohnen, Bildung, Mobilität und anderem immer sichtbarer. Das wurde im Gespräch mit Andreas Kenner deutlich. Woran liegt das? Vom Kreisdiakonieverband kam die überzeugendste Antwort: Der Markt kann das gar nicht regeln.

Also müsste es der Staat machen, aber der tut es eben nicht, weil er dem neoliberalen Glaubenssatz anhängt: in Wirtschaftsdingen so wenig Staat wie möglich.

Aber dieser Glaube erweist sich immer mehr als Irrglaube. Das sagt natürlich kein Politiker laut - aber andere sagen es, sogar solche, die Wirtschaftsfachleute sind, zum Beispiel der Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab, der Initiator des höchst neoliberalen Weltwirtschaftsforums in Davos. Dieser Mann hegt bestimmt keine Umsturzpläne, aber angesichts der Krisen, die der Kapitalismus auslöst, plädiert er für die Rückkehr eines stärker in die Wirtschaft eingreifenden und umverteilenden(!) Staates.

Das muss man schon zwei Mal lesen. Hat man richtig gelesen? In die Wirtschaft „eingreifen“ und „umverteilen“?! Er plädiert nicht für eine Systemveränderung, aber für eine Systemverbesserung, denn „der Markt löst allein keine Probleme“.

Sollten sich das nicht die konservativen Parteien dick hinter die Ohren schreiben, die immer noch ganz schnell dabei sind, Systemkritiker sofort mit Totschlag-Argumenten aus der Zeit des Kalten Kriegs zu diffamieren: „Staatsdirigismus“ oder „linke Ideologie“? Mit einer solch veralteten Einstellung lassen sich heute keine Zukunftsprobleme mehr lösen.

Martin Brost, Dettingen

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