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Vom Trompeterzum Hornisten

Musik Marcus Borchert ist Musikschulleiter in Ostfildern. Der Musikpädagoge aus Leidenschaft freut sich, dass Präsenzunterricht wieder möglich ist. Von Rainer Kellmayer

Als Marcus Borchert vor sechs Jahren die Leitung der Städtischen Musikschule Ostfildern übernahm, waren die Ziele klar definiert: Er wollte das Schulprofil schärfen und die Stellung der Musikschule im kulturellen Leben der Fildergemeinde stärken.

Zunächst lief es auch gut: Neue Lehrkräfte konnten gewonnen werden, zudem wurde das Netz der Kooperationen ausgebaut. „Ein Höhepunkt unserer Musikschulveranstaltungen war das Lustspiel ‚Peter gegen den Wolf‘“, erzählt Borchert. Im Sommer 2018 ging dieser szenische Spaß unter seiner Leitung im Nellinger „Theater an der Halle“ über die Bühne. Lehrkräfte, fortgeschrittene Schüler und Schauspieler der Württembergischen Landesbühne Esslingen haben das sinfonische Märchen damals zum Ereignis gemacht.

Doch vor mehr als einem Jahr änderte sich alles: Corona hat die Musikschularbeit völlig umgekrempelt - alle Ensembles lagen auf Eis. Und die elementare Musikerziehung für Kinder im Vorschulalter konnte ebenso wenig stattfinden wie die Streicher- und Bläserklassen in den allgemeinbildenden Schulen. „Diese Situation war herausfordernd und frustrierend zugleich“, berichtet Borchert.

Von dort steuerte er die Schulorganisation aus dem Home-Office. Es sei ein Glücksfall gewesen, dass man vor einiger Zeit, zusammen mit einer Softwarefirma, eine eigene App als Kommunikationsplattform der Musikschule kreiert habe. Darüber wurde nicht nur der Kontakt gehalten, sondern auch online unterrichtet. „Schüler und Eltern haben diese Lösung positiv aufgenommen“, sagt der Schulleiter, der auch stellvertretender Regionalvorsitzender im Musikschulverband ist. Doch die Nachteile des Unterrichts übers Netz liegen auf der Hand: Der persönliche Kontakt fehlte, ein Zusammenspiel war nicht möglich, und auch die so wichtigen Klavierbegleitungen mussten entfallen. Deshalb ist Borchert froh, dass die Musikschulen kürzlich wieder öffnen durften.

Der 50-Jährige ist Musikpädagoge aus Leidenschaft. Das Credo des Musikpädagogen ist, zu fördern und zu fordern. Doch stets müsse der Spaß am Musizieren im Vordergrund stehen. „Wir üben jedoch auch das Transponieren der Stimmen und feilen am musikalisch ausdrucksvollen Spiel“, gibt Borchert Einblick in seine musikalische Werkstatt. Wichtig ist dem Musikschulleiter, den Kindern möglichst früh einen Zugang zur Musik zu ermöglichen. Dabei dürfe es keine sozialen Schranken geben.

Ein Faible fürs Dirigieren

Der aus Coburg stammende Borchert startete seine musikalische Karriere einst auf der Trompete. Das Spielen in der Jugend- und Stadtkapelle habe ihm großen Spaß gemacht und motiviert, nach dem Realschulabschluss die Berufsfachschule für Musik in Kronach zu besuchen. Dort entdeckte er seine Liebe zum Waldhorn, auf dem er sich später an den Musikhochschulen in Würzburg und Frankfurt weiterbildete. „Nach einem Aufbaustudium schloss ich die Hornausbildung an der Lübecker Musikhochschule mit der künstlerischen Reifeprüfung ab“, blickt Borchert zurück.

Orchesterengagements in Herford und Pforzheim und am Musical-Theater in Stuttgart folgten, wo er in „Miss Saigon“, „The Beauty and the Beast“, „Cats“ und anderen Produktionen zu hören war. Da der Musiker - er hat in der Region schon einige Musikvereine geleitet - ein Faible fürs Dirigieren hat, studierte er an der Musikhochschule Trossingen das Fach Blasorchesterleitung. Später wurde er Musikschulleiter in Süßen, doch er strebte die Leitung einer größeren Musikschule an. In Ostfildern findet er jetzt die für ihn perfekten Bedingungen.

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