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Von der Eisdiele ins goldene Vergnügen

Breitensport Beim VfL Kirchheim kann heute zum letzten Mal in diesem Jahr das Sportabzeichen abgelegt werden. Für viele ist es reines Vergnügen, andere brauchen das Zertifikat für ihre berufliche Zukunft. Von Sandra Langguth

Da kommen Erinnerungen an die Kindheit hoch: Wer es zuletzt bei den Bundesjugendspielen mit Kugel und Weitsprunggrube zu tun hat
Da kommen Erinnerungen an die Kindheit hoch: Wer es zuletzt bei den Bundesjugendspielen mit Kugel und Weitsprunggrube zu tun hatte, muss sich für das goldene Abzeichen ganz schön strecken.

Annelie Vollmer sieht aus, als könnte sie noch ewig weiterlaufen. Die fitte Seniorin ist quasi schon ein Sportabzeichen-Profi und weiß genau, wie schnell sie über die 3000 Meter rennen muss. „Ich glaube, das ist heute meine 15. Teilnahme oder so“, muss sie schätzen. Runde für Runde spult sie auf der Tartanbahn ab, liegt ganz klar auf Goldkurs. Auch bei den anderen Disziplinen lief es richtig gut für die Kirchheimerin, die sich erst am Nachmittag zur Teilnahme entschlossen hatte. „Wir haben zufällig Sportabzeichen-Prüfer Siegfried Hauff beim Eis essen in der Stadt getroffen, der hat uns darauf angesprochen.“ Mit ihren 1,60 Metern im Standweitsprung, den 10,4 Sekunden über 50 Meter und der Leistung beim Seilhüpfen - „20 Mal hätte ich schaffen müssen, 50 hab‘ ich gemacht“ - müsste es fürs goldene Sportabzeichen reichen.

Von Mai bis Oktober bietet der VfL Kirchheim jeden zweiten und vierten Donnerstag die Möglichkeit, das Sportabzeichen zu absolvieren. Nach rekordverdächtigen 300 Teilnehmern im Jahr 2019 waren es vergangenen Sommer 124. „Wie viele es dieses Mal werden, kann ich noch gar nicht einschätzen“, sagt Susanne Wansky-Domhöver, beim VfL für das Sportabzeichen zuständig. Zum einen steht am heutigen Donnerstag der letzte Abnahmetermin noch aus, zum anderen müssen die Ergebnisse der Schüler, die ihre Abzeichen im Rahmen des Schulsports ablegen, noch eingepflegt werden.

Während der Abend im Stadion für so manchen reinen Spaß am Ausprobieren bedeutet, steht für andere wirklich etwas auf dem Spiel. So wie bei Sarah Richter und Arjun Singh. Die beiden 20-Jährigen wollen zur Polizei und brauchen das Abzeichen als Leistungsnachweis. „Das ist eine Eingangsvoraussetzung bei der Bewerbung“, erklärt die Bissingerin, die erleichtert ist, dass ihre Zeiten und Weiten ausreichen. „Seit Corona treibe ich kaum noch Sport. Nur ein bisschen Joggen“, erklärt Sarah Richter. Arjun Singh hat sich in der heimischen Garage ein kleines Gym eingerichtet. „Davor bin ich immer ins Fitnessstudio gegangen“, erklärt der Ötlinger. Die beiden haben sich eben erst im Stadion kennengelernt und hoffen nun, bald im Staatsdienst beschäftigt zu sein. „Der Beruf ist total vielfältig und abwechslungsreich“, freut sich die 20-Jährige auf eine spannende Zukunft.

Ohne Helfer läuft nichts

Die letzte Chance, das Sportabzeichen dieses Jahr noch abzulegen, gibt es am heutigen Donnerstag. Dann sind auch Renate Sieder, Andrea Jaggo-Hörner und Gabi Weissinger wieder im Stadion. „Wir sind die Hiwis“, erzählen die drei Frauen lachend. Sie messen, kontrollieren, korrigieren und - manchmal fast noch wichtiger - motivieren. Wie Sabine Schreiner: „Auf geht‘s, nur noch eine Runde“, ruft sie beim 3000-Meter-Lauf und schaut auf die Stoppuhr - kein Problem für Annelie Vollmer, die auf den letzten Metern von ihrer Enkelin Lara Gölz begleitet wird. „20 Minuten und noch was“, hat die 72-Jährige für die siebeneinhalb Stadionrunden gebraucht. Damit ist es klar - auch in diesem Jahr gibt es für die fitte Seniorin das Abzeichen in Gold.

Info Am heutigen Donnerstag kann von 18 bis 19.30 Uhr letztmals in diesem Jahr das Sportabzeichen beim VfL Kirchheim abgelegt werden. Informationen dazu gibt es im Netz unter www.vfl-kirchheim.de.

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