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Von der grauen Theorie in die Praxis

Radsport Für Jannik Steimle beginnt mit der Tour de l’Ain morgen die Saison erst richtig. Mit der Hoffnung auf erste Erfolge und einen Startplatz bei der WM. Von Bernd Köble

Bereit für den Ernstfall: Im Höhentrainingslager in Livigno hat Jannik Steimle nach seiner Zwangspause zuletzt noch einmal an se
Bereit für den Ernstfall: Im Höhentrainingslager in Livigno hat Jannik Steimle nach seiner Zwangspause zuletzt noch einmal an seiner Form gefeilt.Foto: privat

Es steckt viel Deutschland im Rennpaket, das Wilfried Peeters, Sportlicher ­Leiter bei Deceuninck Quick-Step, seinem ­Nachwuchsmann aus dem Schwabenland geschnürt hat. Was bei den Radprofis nach der Tour de France den Beginn der zweiten Saisonhälfte markiert, ist für Jannik Steimle der eigentliche Startschuss. Bei der Rückkehr von seiner langen Verletzungspause war nach drei Rennen im Mai und Juni schon wieder Schluss. Zuletzt stand für den Weilheimer ein zweiwöchiges Höhentrainingslager in Livigno auf dem Programm.

Trainieren, wenn andere um Plätze fighten, ist etwas, das Profis hassen, und damit ist jetzt auch Schluss. Ab morgen bestimmt ein prallvoller Rennkalender den Alltag des 25-Jährigen. Wenig Zeit, um über verpasste Gelegenheiten nachzudenken. Im Gegenteil: Dass im Kursplan bis Oktober die ganz großen Termine fehlen, sieht Steimle als Chance. Die Vuelta, wo er im Vorjahr seinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour nur knapp verpasst hat, kommt im Augenblick zu früh. Beim in den Oktober verschobenen Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix ist er nur als Ersatzmann eingeplant. Das Programm, das jetzt auf ihn wartet, ist nicht nur dicht gedrängt, es bietet viele Chancen, nach einem Frühsommer, der nur dem Formaufbau diente, endlich auf Resultate zu blicken.

Nach der dreitägigen Etappenfahrt Tour de l’Ain (siehe Infoteil), die am morgigen Donnerstag nordöstlich von Lyon beginnt, geht es eine Woche später zur Tour of Denmark. Danach bespielt das belgische Wolfsrudel um seinen einzigen Deutschen im Team die Bühne hierzulande. Nach den Cyclassics in Hamburg am 22. August startet bereits vier Tage später die Deutschland-Tour, die in diesem Jahr in vier Tagesabschnitten von der Ostseeküste bei Stralsund bis nach Nürnberg führt. Nach der Luxemburg-Tour und Eurometropole im September wird Steimle am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, beim Münsterland-Giro am Start stehen. Vorläufiger Schlusspunkt ist der GP Steenbergen am 10. Oktober in Belgien.

„Ich freu mich, meine Leistungswerte sind gut“, sagt Steimle. In der zweiten Jahreshälfte wird er der sein mit den meisten Renn­terminen im Team. „Das sind viele Chancen, die sich bieten“, sagt Jannik Steimle. Die Jagd nach Ergebnissen ist also eröffnet. Obwohl es in seinem neuen Vertrag mit Quick-Step, der über zwei Jahre laufen soll, offenbar nur noch um Detailfragen geht, will er das Vertrauen der Teamleitung mit Resultaten unterfüttern. Dass er dabei als Solist im eigenen Land unterwegs sein wird, wie zuletzt bei der DM in Stuttgart, braucht er diesmal wohl nicht zu fürchten. Bei der Deutschland-Tour werden die Belgier in voller Mannschaftsstärke am Start stehen, unter anderem voraussichtlich mit dem diesjährigen Sieger bei der Flandern-Rundfahrt, Kasper Asgreen, und Marc Cavendish, dem Mann in Grün bei der Tour de France.

Eine ganz große Nummer hat Steimle dann doch noch auf dem Zettel. Er spekuliert auf einen Startplatz bei der WM am 26. September in Flandern, der Heimat seines Teams. Dafür müsste ihn der neue BDR-Sportdirektor Ralf Grabsch allerdings ins Aufgebot berufen. „Wer die Radsportbegeisterung hier in Belgien kennt“, sagt Steimle, „der kann nachfühlen, dass es etwas ganz Besonderes wäre, als Quick-Step-Fahrer für Deutschland hier am Start zu stehen.“ Dass ihm das Terrain liegt, hat er immerhin bewiesen: Beim Kampioenschap van Vlaanderen holte er im Herbst 2019 seinen ers­ten Sieg im Trikot von Quick-Step.

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