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Von Ostereiern, Schweinen und Bikinis

Skurrile Museen in Baden-Württemberg

Das Schweinemuseum im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Alten Schlachthofs Stuttgart-Ost verfügt über die größte Schweine-Sammlung der Welt. Foto: SM

pm.  Der Süden Deutschlands ist reich an Kultur. Schlösser, Burgen und Industriedenkmale stehen neben renommierten Theater-, Opern- und Ausstellungshäusern internationaler Klasse. Doch abseits der Hochkultur bietet Baden-Württemberg auch Platz für Kleinkunst und moderne Kuriositätenkabinette. In den großen Zentren und kleinen Städtchen zwischen Taubertal und Breisgau findet sich so manche skurrile Spezialsammlung.

Große Kunst auf kleinen Hüten – Fingerhutmuseum Creglingen

Direkt an der Romantischen Straße, in der Kleinstadt Creglingen, befindet sich ein weltweit einzigartiges Spezialmuseum, das schon seit den 1980er Jahren Neugierige anzieht. Auch wenn die Sammlung inzwischen über 4.000 Exponate aus aller Welt umfasst, benötigt sie nicht viel Platz, da die meisten der Ausstellungsstücke jeweils auf einen Finger passen. Denn im Fingerhutmuseum dreht sich alles um das kleine Nähwerkzeug mit großer Geschichte. Die ersten Belge von Fingerhüten stammen bereits aus der Jungsteinzeit. Neben schlichten Stücken aus edlen und weniger edlen Metallen finden sich hier auch kunstvoll verzierte oder emaillierte Fingerhüte und sogar handkolorierte Exemplare aus Meißner Porzellan. Infos unter fingerhutmuseum.de.

Bademode damals und heute – Bikini Art Museum Bad Rappenau

Das gesamte Weltwissen zum Thema Bademode und Bademodenkultur hat an einem zentralen Ort im Norden Baden-Württembergs seine Heimat gefunden. Seit 2020 präsentiert das Bikini Art Museum in Bad Rappenau seinen Gästen die international wertvollste Bademodensammlung aus drei Jahrhunderten und allen Kontinenten. Die bunte Palette reicht von der züchtigen Ganzkörperbadebekleidung des 19. Jahrhunderts bis zum freizügigen „Fio Dental“ („Zahnseidenbikini“) und beinhaltet auch Zweiteiler weltberühmter Stars von Marilyn Monroe bis Scarlett Johansson und Amy Winehouse. Darüber hinaus gibt es moderne Kunst zum Thema, eine Auseinandersetzung mit „Woman Power“ und „Body Positivity“ und ein Entertainmentprogramm, das nicht nur Instagrammer begeistert. Infos unter bikiniartmuseum.com.

Im Westen was Neues – DDR Museum Pforzheim

Was hat Pforzheim an der ehemaligen Grenze zwischen Baden und Württemberg im Südwesten Deutschlands mit der DDR zu tun? Viel, wenn man Museumsgründer Klaus Knabe fragt. Das einzige Museum in den westlichen Bundesländern, das die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf der DDR darstellt, will das Demokratiebewusstsein schulen, Menschenrechte thematisieren und die Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur fördern. Besonders die jungen

Generationen, für welche die deutsche Wiedervereinigung selbstverständlich ist, sollen mit dem „Lernort Demokratie“ angesprochen werden und anhand zahlreicher Exponate aus sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen die DDR-Geschichte besser kennenlernen. Infos unter pforzheim-ddr-museum.de.

Alles rund ums Borstenvieh – Schweinemuseum Stuttgart

Glücksschweine, Sparschweine, Kuschelschweine. Aus Holz, Stoff, Keramik oder Kork. Gegossen, getöpfert, genäht und gemalt. Als Tasse, Briefkasten, Krawatte oder sogar als Straßenbahn. Das Schweinemuseum im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Alten Schlachthofs Stuttgart-Ost verfügt über die größte Schweine-Sammlung der Welt. In den 27 Themenräumen auf rund 8000 Quadratmetern gibt es dementsprechend viel zu entdecken. Behandelt werden alle Themen rund ums Schwein: Von der Zoologie, Kultur, Mythologie und Symbolik bis hin zur Darstellung in der Kunst und Kuriosem. Kleine Gäste sind beim Ferienprogramm richtig aufgehoben oder feiern gleich ihren Geburtstag inmitten der Vierbeiner mit den Ringelschwänzchen. Infos unter schweinemuseum.de.

Am Anfang war das Ei – Osterei-Museum Sonnenbühl

In Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb ist die Welt oval. Denn im ehemaligen Schulhaus der Gemeinde befindet sich das erste Osterei-Museum Deutschlands. Es versammelt Eierkunst aus den traditionellen Osterei-Regionen in Deutschland und den osteuropäischen Nachbarländern – frei nach dem Motto „Ex ovo omnia, der Ursprung allen Lebens ist das Ei.“ Die Ausstellung gliedert sich in verschiedene Themenbereiche und reicht vom Brauchtumsei im folkloristischen oder christlichen Kontext bis hin zu modern gestalteten Eiern. Die meisten echt aus der Kalkschale, ob winzig klein von der Wachtel, mittelgroß von Huhn und Gans oder beachtlichen Ausmaßes von Emu und Strauß. Ein Highlight ist die „Rugelbahn“, die in der Osterzeit mit echten hartgekochten und das restliche Jahr mit Holz-Eiern bespielt werden kann. Infos unter ostereimuseum.sonnenbuehl.de.

Keine brotlose Kunst – Museum Brot und Kunst Ulm

Wo Brot und Kunst aufeinandertreffen wird es gehaltvoll. So auch im Museum Brot und Kunst – Forum Welternährung in Ulm. Die beiden Teile der Ausstellung gehen einen Dialog ein, mit dem Ziel, die Relevanz von Korn und Kultur für die Gesellschaft abzubilden – auch und vor allem über die Auseinandersetzung mit dem Mangel. So findet jeden Monat ein „Kunstschmaus“ statt, eine Betrachtung ausgewählter Kunstwerke mit anschließendem Imbiss, etwa zu den Themen „Brot und Wein“ oder „Baguette“. Traditioneller geht es zu, wenn zu bestimmten Anlässen Gebildbrote mit jahreszeitlichen Motiven gebacken werden. Wer sich die Zeit bis zum Besuch verkürzen will, hört sich durch die verschiedenen „Breadcasts“ auf der Webseite. Infos unter museumbrotundkunst.de.

Weinwerkzeug mit Geschichte – Korkenzieher Museum Kaiserstuhl

Einen besseren Ort als das wärmste und sonnenreichste Weinbaugebiet Deutschlands, kann man sich als Standort für ein Korkenzieher-Museum kaum vorstellen. Das vom „Spiegel“ als das „vielleicht kleinste und ungewöhnlichste Museum Deutschlands“ titulierte Haus versteckt sich in der Altstadt des malerischen Weinortes Burkheim. In einer ehemaligen Scheune, die auf eine ähnlich lange Historie zurückblickt, wie der Korkenzieher selbst, warten über 1.000 Exponate aus rund 350 Jahren auf Besucherinnen und Besucher. Die Geschichten und Anekdoten rund ums Entkorken vermittelt der Sammler Bernhard Maurer gerne selbst bei einer Führung. Der Eintritt ins Museum ist gratis. Infos unter korkenzieher.de.

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