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Vorbild oder überzeugter Nazi?

Ausstellung An Graf von Stauffenberg scheiden sich die Geister: Der Dettinger Geschichtsverein begab sich auf seine Spur.

Dettingen. Geht es um die Person und Rolle von Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg, so liegen die Einschätzungen in der Bevölkerung aber auch bei namhaften Historikern, weit auseinander. Der Dettinger Geschichtsverein hat sich daher im baden-württembergischen Haus der Geschichte an der Stuttgarter Kulturmeile auf die Spuren des Militärs aus schwäbischem Adelshaus begeben.

Zum Auftakt von Informations- und Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag der Bombardierung Dettingens am 20. April 1945 wurde ein Besuch der Sonderausstellung „Attentat Stauffenberg“ im Stuttgarter Haus der Geschichte Baden-Württemberg gewählt. Graf von Stauffenberg hatte seine Kindheit und Jugend in Stuttgart verbracht, seine Eltern hatten hohe Funktionen am Hofe des letzten württembergischen Königs Wilhelm II. Neben der Nähe zur Monarchie prägten seine humanistische Schulausbildung und Affinität zum Bürgertum seinen Wesenszug. Stauffenberg hatte sich 1926 für den Eintritt in die Armee der Weimarer Republik entschieden und sprach sich in der Krisenphase der ersten deutschen Demokratie 1932 für die Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler aus. Der nationalsozialistischen Herrschaft ab 1933 stand er grundsätzlich positiv gegenüber. Doch der Holocaust, das brutale Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung in den besetzten Ländern und die sich der Realität verweigernde deutsche Kriegsführung führten zur Zäsur und folglich in den persönlichen militärischen Widerstand.

Chronologisch zeigt die Ausstellung den misslungenen Umsturzversuch: Die Bombe im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ in Ostpreußen detonierte zwar planmäßig um 12.42 Uhr; doch Hitler überlebte mit geringen Blessuren. Stauffenberg und viele seiner Mitverschwörer bezahlten danach ihren Kampf gegen den Nationalsozialismus mit dem Leben.

Nach dem 20. Juli 1944 verfolgte das NS-Regime die Verschwörer und nahm die Angehörigen in Sippenhaft. Einer der überlebenden Mitverschwörer, der spätere CDU-Politiker und Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier aus Kirchheim, kümmerte sich um die Nachfahren. So wurde auch die Familie Davida von Moltke in Kirchheim heimisch.Manfred Gaiser

Info: Ausstellung „Attentat Stauffenberg“, Haus der Geschichte, Stuttgart, bis 30. August 2020. Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, am Donnerstag bis 21 Uhr.

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