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Vorsitzender der Ärzteschaft Nürtingen äußert Skepsis

„Ich bin offen für alles, was hilft - aber ich sehe den Vorteil von Cannabis nicht“, betont Thorsten Lukaschewski, Vorsitzender der Ärzteschaft Nürtingen. Er kritisiert das Gesetz, das die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat: „Das hätte es nicht gebraucht. Denn es gibt keine guten Studien, die belegen, dass Cannabis besser ist als Placebo.“ Deshalb hat Cannabis für Thorsten Lukascheswki in der Schmerztherapie nichts verloren, vor allem wegen der Nebenwirkungen wie Schwindel, Wahrnehmungs- und Gedächtnisstörungen sowie der erhöhten Gefahr eines Ausbruchs von psychischen Erkrankungen. „Cannabis ist nicht so harmlos, wie manche vielleicht denken.“ Der Hype, der um die Droge gemacht werde, ist Lukaschewski ein Dorn im Auge. So seien viele der Meinung, es handle sich um ein ungefährliches Naturprodukt aus der Alternativmedizin.

Die Gefahr des Missbrauchs sei groß; verhindern könne man dies nur durch eine klare Arzt-Patienten-Bindung und Kontrolle durch den Arzt. Im Übrigen sei es verblüffend, dass seit der Einführung des Gesetzes in den Arztpraxen etliche Patienten auftauchen, die hoffen, ein Cannabis-Rezept zu erhalten. Diese machten gegenüber den Ärzten deutlich, dass sie auch zuvor schon Cannabis genutzt haben, um Krämpfe oder Schmerzen in den Griff zu bekommen. Ein ähnliches Bild sei auch aus den Studien ersichtlich: „90 Prozent der Nutzer haben zuvor schon Cannabis konsumiert.“

Für Lukaschewski steht fest: „Wir haben genügend Medikamente, die vielleicht sogar weniger Nebenwirkungen haben oder die wir besser kennen und kontrollieren können.“ Die vertrauten Medikamente könne man erst dann ersetzen, „wenn es etwas Besseres gibt“. Und die Studien zu Cannabis hätten nie bewiesen, dass dies der Fall ist.

Großzügiger müsse man hingegen in der Palliativmedizin sein, ergänzt Lukaschewski: Hier müsse man alles zulassen, wovon sterbenskranke Menschen glauben, dass es ihnen gut tut.hei

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