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Was lernen wir aus der Pandemie?

Zum Teckbote-Artikel „Auf welcher Erde wollen wir leben?“ vom 10. April

Der Essay würde - wie es sich die Autorin Tanja Wolter wünscht - eine intensive Diskussion verdienen - unter anderem über die Problematik des sogenannten „qualitativen“ oder „grünen“ Wirtschaftswachstums.

Ich möchte nur einen Aspekt etwas vertiefen, dessen politische Konsequenzen im Essay nur gestreift werden: Menschen dringen immer tiefer in bisher unberührte Lebensräume vor. Die menschengemachte Zerstörung - etwa durch das Abholzen von Regenwäldern - führt zur Vertreibung von Wildtieren aus ihren ursprünglichen Lebensräumen.

Intakte Lebensräume weisen eine hohe Artenvielfalt auf. Diese erschwert die Ausbreitung von Krankheitserregern. Nimmt die Artenvielfalt jedoch ab, können sich Krankheitserreger unter den verbleibenden Arten weitaus schneller ausbreiten. Die Wahrscheinlichkeit nimmt zu, dass Viren auf andere Tierarten oder auch auf den Menschen überspringen. Auch beim internationalen Wildtierhandel treffen Tierarten aufeinander, die sich in der Natur niemals begegnen würden. Rund 75 Prozent aller neuartigen Infektionskrankheiten sind Zoonosen, Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen wurden.

Mehr als 70 Prozent der Zoonosen stammen von Wildtieren. Sowohl der legale als auch der illegale Wildtierhandel gilt als großer Risikofaktor für die globale Verbreitung von Zoonosen. Der Handel mit Wildtieren in Deutschland ist größtenteils unreguliert. Freiwillige Maßnahmen des Handels und von Online-Plattformen reichen hierfür nicht aus. Gesetzgeberische Maßnahmen sind deshalb dringend erforderlich. Präventiv müsste etwa das Importverbot für Wildvögel in Deutschland sowie in der Europäischen Union auf alle Wildtiere ausweitet werden. Notwendig wäre außerdem eine Kennzeichnungspflicht der Herkunft von Tieren und strikte Auflagen für den Internethandel und den Verkauf über Tierbörsen.

Hans Dörr, Sprecher des Kirchheimer Forums 2030

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