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Wasserstoff treibt die Zukunft an

Meilenstein In der Esslinger Weststadt wird mit dem Klimaquartier eines von bundesweit sechs städteplanerischen Leuchtturmprojekten eröffnet. Von Melanie Braun

Die Energiezentrale mit dem Elektrolyseur zur Wasserstoff-Produktion ist das Herzstück des Klimaquartiers.Foto: Roberto Bulgrin
Die Energiezentrale mit dem Elektrolyseur zur Wasserstoff-Produktion ist das Herzstück des Klimaquartiers.Foto: Roberto Bulgrin

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs hält die Zukunft Einzug: Mit dem sogenannten „Klimaquartier in der Neuen Weststadt“ ist ein bundesweit einmaliges Leuchtturmprojekt eröffnet worden. Hier werden neue Energiekonzepte erprobt, die einen Beitrag zur Energiewende leisten sollen. Herzstück des Vorzeigeviertels ist eine Energiezentrale, in der „grüner“ Wasserstoff produziert und sogar die Abwärme aus dieser Produktion genutzt wird.

Wer auf den Dächern der Wohnhäuser in Block D der Neuen Weststadt steht, kann nicht nur den Ausblick auf Stadt und Weinberge genießen, sondern auch einen zentralen Eckpfeiler des Energiekonzepts in dem Quartier bewundern. Denn die Gebäude sind mit Photovoltaikanlagen geradezu gepflastert. Kein Wunder: Die Solarenergie wird sowohl für die Stromversorgung der Bewohner gebraucht als auch für die Wasserstoffproduktion. Letztere entsteht durch sogenannte Elektrolyse. Dabei fällt Abwärme an, die wiederum rund 50 Prozent der Wärmeversorgung in dem Quartier decken soll. „Das ist absolut innovativ, das gibt es so noch nicht in Deutschland“, betont der Projektleiter Norbert Fisch.

Seit Januar 2019 entsteht auf einer Fläche von rund 100 000 Quadratmetern das Stadtquartier „Neue Weststadt“ mit 450 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen sowie dem Neubau der Hochschule Esslingen. Das als innovativ und nachhaltig geltende Klimaquartier ist eines von bundesweit sechs städteplanerischen Leuchtturmprojekten, die vom Bund gefördert werden.

Rund elf Millionen Euro gab es für das Quartier, das die Nutzung von sogenanntem „grünem Wasserstoff“ integriert, mit dem Ziel, pro Bewohner beziehungsweise Bewohnerin einen jährlichen CO2-Ausstoß von unter einer Tonne für Wohnen und Mobilität zu erreichen. Insgesamt soll das Stadtviertel dazu beitragen, dass die CO2-Emissionen in Esslingen um ein Viertel reduziert werden. Damit leiste das innovative Stadtviertel einen echten Beitrag zur Energiewende, ist man im Rathaus überzeugt.

Kernstück des technologisch innovativen Stadtquartiers ist das energetische Versorgungskonzept, das eine Kopplung der Sektoren Strom, Wärme, Kälte und Mobilität vorsieht. Ein Elektrolyseur wandelt überschüssigen erneuerbaren Strom in Wasserstoff um und macht die Energie auf diese Weise speicherfähig. Werde später wieder Strom im Stadtquartier benötigt, lasse sich der Wasserstoff klimaneutral in Blockheizkraftwerken wieder rückverstromen, heißt es. Darüber hinaus soll der lokal erzeugte Wasserstoff auch für quartiersfremde Nutzer bereitgestellt werden. Unter anderem sollen Busse zum Teil damit gespeist werden. Eine Wasserstoff-Abfüllstation, eine Wasserstoff-Tankstelle und eine Gasnetz-Einspeisestation sind zudem im Quartier geplant. Langfristig will man noch weiter gehen und den „grünen“ Wasserstoff etwa der lokalen Industrie zur Verfügung stellen.

Oberbürgermeister Jürgen Zieger zeigte sich bei der Eröffnung höchst zufrieden: „Das hässliche Entlein Güterbahnhof hat sich in einen schönen Schwan verwandelt“, findet er. Er sei glücklich und stolz angesichts des innovativen Energiekonzepts in dem Vorzeigeviertel, so Zieger. Allerdings sei diese Wandlung nicht vom Himmel gefallen, sondern nur mit viel Arbeit erreicht worden. Projektleiter Fisch betonte: „Der Weg zur Klimaneutralität kann nur über solare Wasserstoff-Wirtschaft führen. Hier können wir zeigen, dass sich diese Technologie auch auf kommunaler Ebene erfolgreich in Bauprojekte eingliedern lässt.“

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