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Wege aus der Krise

Zum Artikel „Konsum als Weg aus der Krise“ vom 15. Mai

Die fortschreitende Erderwärmung und die Corona-Pandemie stellen viele ökologische und ökonomische Annahmen gleichermaßen fundamental in Frage. Dazu gehören nicht nur die Ignoranz gegenüber planetaren Grenzen und das Beschwören von individueller Nutzenmaximierung. Dazu gehört auch der Glaube, eine immer weitere Vertiefung der internationalen Arbeitsteilung mit immer größeren Unternehmen sowie immer längeren und komplexeren Lieferketten sei gut für alle.

Dass es nicht nur ökonomische Größen-, Spezialisierungs- und Globalisierungsvorteile gibt, sondern entsprechende Nachteile, ist in der sozial-ökologischen Diskussion schon lange Thema. Die Coronakrise macht nun auf ihre Weise deutlich, wie verletzbar Staaten sind, wenn Notwendiges einseitig aus fernen Quellen oder gar von Monopolen bezogen werden muss.

Selektive Deglobalisierung und gezielte Reregionalisierung werden künftig wichtige Bausteine einer Ökonomie der Nachhaltigkeit sein. Nur so können wir die Verletzbarkeit und abrupte Störungen der Lieferketten reduzieren. Konkret bedeutet das: Wir müssen die regionale Landwirtschaft stärken. Die Nutzung der Autobahnen als rollende Warenlager muss zurückgedrängt werden. Wir müssen die Wirtschaftsförderung auf eine Erhöhung innerregionaler Produktionsverflechtungen und Kreislaufwirtschaft ausrichten und das Bankwesen an der Unterstützung dezentraler Wertschöpfungsstrategien orientieren.

Aus der Zunahme globaler Probleme dürfen wir aber keinesfalls nationale Abschottungsstrategien herleiten. Im Gegenteil: Aus vielerlei Gründen (Frieden, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit et cetera) brauchen wir ganz dringend mehr und wirkungsvollere internationale Kooperation auf der Grundlage der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030.

Hans Dörr, Sprecher des Kirchheimer Forums 2030, Notzingen

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