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Wege aus der Wachstumsfalle

Zum Leitartikel von Dieter Keller über Wohlstand mit weniger Konsum vom 21. Juli

Als „Gutmenschen“ bezeichnet Dieter Keller in seinem Leitartikel Menschen, die über einen Ausweg aus der Wachstumsfalle nachdenken. Sie würden davon träumen, „unsere Wirtschaft total umzukrempeln zu weniger Konsum und einem Abschied vom Wirtschaftswachstum“.

Keller hinkt dem Stand der Nachhaltigkeits- und Transformationsdiskussion meilenweit hinterher. Er blendet beispielsweise die Kehrseiten des Über-Konsums aus. Permanent wachsender Konsum von Gütern etwa geht einher mit zunehmendem Rohstoffverbrauch. Zwischen 1980 und 2010 hat sich der jährliche weltweite Verbrauch von Biomasse, mineralischen und metallischen Rohstoffen sowie fossilen Brennstoffen verdoppelt - auf derzeit etwa 80 Milliarden Tonnen. Ich will das mal veranschaulichen: Große Sattelschlepper transportieren 40 Tonnen. Wir brauchen also zwei Milliarden 40-Tonner, um unseren jährlichen Rohstoffverbrauch zu transportieren. Wenn die zwei Milliarden Lastzüge im Stau stehen würden, wäre der 40 Millionen Kilometer lang. Es wird damit gerechnet, dass der jährliche Rohstoffverbrauch im Jahr 2050 etwa 180 Milliarden Tonnen betragen wird.

Allein dieses gewaltige Problem müsste genügen, um zu verstehen: Unendliches quantitatives Wachstum auf einem endlichen Planeten führt in den Ruin. Wir müssen dringend und rasch eine seriöse gesellschaftliche Debatte darüber führen, wie wir aus dem Hamsterrad des quantitativen Wachstums herauskommen. Eine Frage dabei muss natürlich lauten: Wie kann quantitatives Null-Wachstums bei der Produktion von Verbrauchsgütern (etwa im Textilbereich) verbunden werden mit Beschäftigungssicherung beziehungsweise der Verhinderung von zunehmender weltweiter Arbeitslosigkeit.

Hans Dörr, Sprecher Kirchheimer Forum 2030

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