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Wege zur Geschichte Per Pedes und Pedal auf Zeitreisen in Baden-Württemberg

Per Pedes und Pedal auf Zeitreisen in Baden-Württemberg

Mit dem Rad zu Gräfin Paula nach Aulendorf. Foto: TMBW / Oliver Raatz

pm.  Rauf aufs Rad oder rein in die Wanderstiefel und ab in die Vergangenheit: In Baden-Württemberg lassen sich über 40.000 Jahre Geschichte ganz ohne Zeitmaschine erleben. Per Pedal und per Pedes geht es in die Eiszeit, zu den Römern und Kelten oder zu den mächtigen Herrschergeschlechtern des Mittelalters. Auch Akteurinnen des Barock, traditionelle Berufsstände und Vertreter der Industriekultur laden zum Besuch ein. Und natürlich die zahlreichen Dichterinnen und Denker, denen das „Literaturland“ seinen Titel verdankt.

Zeitsprung zu den Anfängen menschlicher Kultur – Eiszeittäler-Radwege

Bereits vor rund 40.000 Jahren erschufen die Eiszeitmenschen im Lone- und Achtal auf der Schwäbischen Alb Kunstgegenstände und Musikinstrumente, die uns heute den Atem verschlagen. Sie beweisen, dass der Mensch schon damals zu einer modernen Form von Bewusstsein gelangt war und sich mittels Musik, Symbolen und figürlicher Kunst ausdrücken konnte. Seit 2019 verbindet die Radstrecke „Eiszeittäler“ Fundstätten und einschlägige Museen. Vom Start in Schelklingen über Blaubeuren und Ulm bis zum Archäopark Vogelherd bei Niederstotzingen. Der etwa 75 Kilometer lange, auch für E-Bikes bestens geeignete Radweg durch das UNESCO-Welterbe kann in beide Richtungen befahren und mit anderen Strecken kombiniert werden. Infos unter welt-kultursprung.de.

Grenzerfahrungen für Geschichtsfans – Limes-Radweg und Römerpfade

Am Obergermanisch-Raetischen Limes, wo einst die Römer entlang patrouillierten, um ihre Grenzen zu den Germanen zu sichern, lässt es sich heute hervorragend wandern und radfahren. Zahlreiche rekonstruierte Wachtürme und Kastelle sowie konservierte Baureste und Museen veranschaulichen das Leben der Römer in diesem Landesteil. Der Limes-Radweg führt auf 164 abwechslungsreichen Kilometern vom Odenwald über Hohenlohe und den Schwäbisch-Fränkischen Wald ins Remstal und auf die Ostalb. Ergänzt wird er vom Limes-Wanderweg. Zu Fuß kann man sich den Römern im Odenwald ab 2022 auch über die neuen „Römerpfade“ nähern: Rund- oder Streckentouren von 5 bis 15 Kilometern Länge, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die vom Deutschen Wanderverband als „Kurzer Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ zertifizierten Touren sind nach römischen Gottheiten benannt und vermitteln Informationen zur lokalen römischen Geschichte. Infos unter limesstrasse.de; roemerpfade.de.

Zu Fuß um die älteste Stadt Deutschlands – Wanderweg Heuneburg

Sie ist die älteste Stadt nördlich der Alpen und war einst ein bedeutendes Handelszentrum, das Verbindungen bis nach Marseille und in den süditalienischen Raum pflegte. Die Heuneburg, im Altertum vermutlich als „Pyrene“ bekannt, entwickelte sich ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. und hatte in ihrer Blütezeit so viele Einwohner wie das damalige Athen. Rund um die Höhensiedlung oberhalb der Donau führt ein 10,6 Kilometer langer und leicht zu bewältigender Wanderweg zu den Außensiedlungen und keltischen Grabhügeln, wie dem Fürstengrabhügel Hohmichele, dem frühkeltischen Grabhügel Speckhau und der spätkeltischen Viereckschanze. Start und Ziel für die Tour ist die Übersichtstafel am Heuneburgmuseum in Herbertingen. Infos unter heuneburg.de.

Im Stammland der Stauferdynastie – Löwenpfad Staufer-Runde

Der Löwenmensch aus dem Lonetal und die drei Löwen, die einst das Wappen der Staufer zierten und heute im Wappen Baden-Württembergs zu Ehren kommen, gaben den „Löwenpfaden“ im Landkreis Göppingen ihren Namen. Den Spuren des ebenso mächtigen wie sagenumwobenen Herrschergeschlechts der Staufer folgt der Löwenpfad „Staufer-Runde“. Ob im Wäscherschloss oder in den Überresten der Stammburg auf dem Hohenstaufen, die Geschichte der Staufer ist auf diesem Weg immer im Gepäck. Der vom Deutschen Wanderverband als „Kulturerlebnis“ zertifizierte Rundweg verläuft auf rund 11 Kilometern zwischen Wäschenbeuren und Göppingen. Anspruchsvolle 372 Höhenmeter sind zu überwinden, belohnt wird man dafür mit sensationellen Ausblicken. Infos unter loewenpfade.de.

Radelnd zu Ritterburgen und Residenzen – Radweg Burgenstraße

Kaum ein anderes Bundesland ist so reich an Burgen und Schlössern wie Baden-Württemberg. Fans von mittelalterlichen Ritterdomizilen und barocken Herrschersitzen werden auf dem „Radweg Burgenstraße“ zwischen Mannheim und Kirchberg an der Jagst in Begeisterungsrufe ausbrechen. Entlang der renommierten Ferienstraße am Neckar reiht sich eine historische Sehenswürdigkeit an die andere. Wer die alten Gemäuer nicht nur von außen oder bei einer Führung bestaunen möchte, kehrt in einem der Burg- und Schlosshotels ein oder übernachtet gleich dort. Allerdings ist eine gute Kondition Voraussetzung, da Herrschersitze naturgemäß meist auf Anhöhen liegen. Auch darüber hinaus bietet der Radweg ein paar kräftige Steigungen, etwa in Hohenlohe. Etwas weniger Muskelkraft ist hingegen im Neckartal gefordert, wo der Radweg noch relativ flach verläuft. Infos unter burgenstrasse.de.

Pracht, Prunk und Putten - Radtour an der Oberschwäbischen Barockstraße

Der beeindruckende Bibliothekssaal im ehemaligen Kloster Bad Schussenried ist ein Juwel des Rokoko und eine der Hauptsehenswürdigkeiten an der Oberschwäbischen Barockstraße. Auf 860 Kilometern verbindet diese rund 55 barocke Sehenswürdigkeiten. Wer opulente Baukunst liebt und gerne auf zwei Rädern unterwegs ist, nutzt einen der vielen Radwege entlang der Route für eine Erkundungstour. Etwa den Oberschwaben-Allgäu-Radweg zwischen Aulendorf und Bad Saulgau, der auch Kloster Schussenried ansteuert. In Aulendorf führt Doris Schenk alias Gräfin Paula Schlossgäste plaudernd durch ihren Alltag im späten 19. Jahrhundert. Und im heute noch von Franziskanerinnen bewohnten Kloster Sießen in Bad Saulgau warten Klostergarten, -laden- und -café sowie eine Ausstellung zu den berühmten Hummel-Figuren auf interessierte Gäste. Infos unter  oberschwaben-tourismus.de.

Auf dem Holzweg – Flößerpfad Kinzigtal

Vom 15. bis ins 20. Jahrhundert war der Schwarzwald die europäische Hochburg des Holzhandels und der Flößerei. Aus den Flusstälern des Mittelgebirges brachten die geschickten Flößer ihre Ware bis zur holländischen Rheinmündung. Im Kinzigtal erinnert der Flößerpfad an diese Zeit. Auf dem 10 Kilometer langen Abschnitt zwischen Loßburg und Alpirsbach und dem 23 Kilometer langen Abschnitt zwischen Alpirsbach und Wolfach wird an Themenstationen, in Museen, mit Audioguides für Kinder und Erwachsene, Geo-Caching und einem Begleitheft das vielfältige Wissen über die Flößerei anschaulich vermittelt. Natur- und Kulturerlebnis gehen auf diesem Pfad wie selbstverständlich Hand in Hand. Infos unter floesserpfad.de.

Wo der Erfindergeist Wurzeln schlug – Radtour zur Industriekultur

Was wäre Baden-Württemberg ohne seine Erfinder, traditionsreichen Unternehmen und namhaften Marken? Der Grundstein zum weltweit bekannten Industriestandort wurde bereits im 19. Jahrhundert gelegt. Im Filstal östlich von Stuttgart lassen sich auf einer bequemen Radtour mit gut 26 Kilometern wichtige Orte der lokalen Industriekultur entdecken. Von Plochingen bis Eislingen warten Infostationen, Ankerpunkte und zahlreiche Sehenswürdigkeiten: Hafen und Bahnhöfe, Arbeitersiedlungen und Fabrikantenvillen, Mühlen und Kraftwerke, Werkzeug-, Metall- und Textilwarenfabriken säumen den Weg. Natürlich fehlen auch Traditionsunternehmen wie der Spielzeug- und Modelleisenbahnbauer Märklin und der Haushalts- und Gastronomiewaren-Hersteller WMF nicht. Infos unter industriekultur-filstal.de.

Literarisch um den Bodensee – Per Pedal zur Poesie

Schon bevor die Erfinder zu Weltruhm aufstiegen, machten die Dichterinnen und Dichter den Süden Deutschlands überregional berühmt. Auf elf literarischen Radwegen kann man ihren Lebensspuren und Werken durch unterschiedliche Regionen folgen. Radweg Nummer 4 beginnt in Öhningen an der deutsch-schweizerischen Grenze und führt auf etwa 50 Kilometern am Bodensee entlang über die Halbinsel Höri, Radolfzell und Allensbach nach Konstanz. Auf der literarischen Zeitreise wird der Bogen vom Minnesang des Mittelalters bis zur Lyrik der jüngsten Vergangenheit gespannt. Literatinnen und Literaten, die wie Jacob Picard hier geboren wurden oder wie Anna Seghers für einige Wochen Station machten, wird dabei ebenso gedacht wie jenen, die sich wie Joseph Victor von Scheffel und Hermann Hesse über einen längeren Zeitraum in die traumhaft schöne Natur am Bodensee flüchteten. Infos unter literaturland-bw.de.

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