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Weilheim in der Championsleague

Auszeichnung Der Fairtrade-Sprecher Deutschlands Manfred Holz überreicht der Stadt Weilheim die Urkunde als Fairtrade-Stadt. Die Auszeichnung steht für nachhaltige und faire Wirtschaft. Von Silja Kopp

Gabriele Rolfs, Bürgermeister Johannes Züfle und Jesse Burgmann erhalten von Manfred Holz (zweiter von links) die Urkunde.
Gabriele Rolfs, Bürgermeister Johannes Züfle und Jesse Burgmann erhalten von Manfred Holz (zweiter von links) die Urkunde.

Weilheim in der Championsleague: Neben Großstädten wie München und Berlin darf sich seit einem Jahr auch Weilheim als „Fairtrade Town“ bezeichnen. Zu diesem Anlass kam Deutschlands Fairtrade-Sprecher Manfred Holz, um die Stadt mit einer Urkunde zu ehren. Bereits am 23. September 2020 hätte Weilheim diese Auszeichnung erhalten sollen, die Feier wurde allerdings coronabedingt verschoben. Jetzt wurde der Festakt nach einjährigem Bestehen mit musikalischer Begleitung von Sandra Schöne nachgeholt.

Fairtrade Deutschland setzt sich durch den Verkauf von Produkten, die ihren Anforderungen entsprechen, gegen Ausbeutung und Diskriminierung ein und steht für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Neben vielen anderen Städten hat auch Weilheim sich dazu entschieden, ein Teil dieser Bewegung zu werden.

„Mein zweistündiger Spaziergang heute durch Weilheim hat mich fürs Erste überzeugt“, be­ginnt Manfred Holz seine Rede und lacht. Er ist zufrieden mit den fair gehandelten Produkten, die in Weilheim angeboten werden. Nach einem Jahr hat die Stadt insgesamt 20 Partner, die sich der Fairtrade-Bewegung angeschlossen haben und zur Feier gekommen sind. Dazu gehören Restaurants, Cafés, der Einzelhandel, aber auch öffentliche Institutionen, die für die Themen wie Nachhaltigkeit und Fairness sensibilisieren. Trotz der Erfolge in Weilheim müsse sich der Titel der „Fairtrade Town“ alle zwei Jahre erneut erkämpft werden, meint Manfred Holz, denn er wisse, wie schnell sich eine ursprünglich faire und nachhaltige Wirtschaft wieder verschlechtern kann: „Wir sind doch alle Schnäppchenjäger, machen wir uns nichts vor“, merkt er an.

„Fair ist es nicht, billig einzukaufen, wofür andere teuer bezahlen. Das gilt auch für unsere lokalen Landwirte.“ Im Corona-Jahr seien die Umsätze bei Fairtrade um fünf Prozent zurückgegangen. „Interessant, dass viele Menschen mit teuren Kaffeemaschinen lieber billige, anstatt faire Kaffeebohnen kaufen“, kommentiert Manfred Holz diesen Rückgang. Als eine der reichsten Industrienationen steht Deutschland für ihn in der Pflicht, nachhaltiger und gerechter zu handeln. „Es kann nicht sein, dass eine Milliarde Menschen an Übergewicht leidet und eine andere Milliarde nicht genug zu essen hat“, sagt er ernst. Er erhoffe sich ein globales Umdenken und dabei setze er auch auf kleinere Kommunen wie Weilheim.

Damit sich Weilheim heute als „Fairtrade Town“ bezeichnen darf, mussten verschiedene Kriterien erfüllt werden. Neben einer Mindestanzahl an fairen Produkten im Sortiment gibt es die sogenannte Steuerungsgruppe, die alle Aktivitäten vor Ort koordiniert und Öffentlichkeitsarbeit betreibt. „Wir sind im Grunde eine ehrenamtliche Kreativzentrale für dieses Thema in Weilheim“, sagt Jesse Burgmann. Für ihn waren Nachhaltigkeit und fairer Handel schon immer wichtige Themen. Deshalb habe sich der Eigentümer eines Restaurants in Weilheim dazu entschlossen hat, Sprecher der Steuerungsgruppe zu werden. „Nachhaltigkeit hat viele Facetten und garantiert, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt werden“, erklärt Jesse Burgmann seine Entscheidung, sich für Fair­trade einzusetzen.

Ebenso aktiv in der Steuerungsgruppe ist Gabriele Rolfs. Sie engagierte sich vor allem dafür, dass Fairtrade auch in den Schulen zum Thema wird. Sie hat dafür gesorgt, dass dort Workshops zur Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit veranstaltet wurden. „Vielleicht gibt es irgendwann einmal eine Fairtrade-Schule, träumen darf man ja“, sagt sie lächelnd.

Fairtrade Town Weilheim, Verleihung Urkunde
Fairtrade Town Weilheim, Verleihung Urkunde
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