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Weilheim wird zum Tatort

Schwabenkrimi Für ihr neues Buch „Leichenfund im Baugrubengrund“ hat Cindy Jäger schwäbisch gelernt und sich auf dem Friedhof inspirieren lassen. Von Silja Kopp

Sie weiß, wie Schwaben schwätzen: Sylvia Scheufele hat Cindy Jäger (rechts) geholfen, Teile ihres ­Romans ins Schwäbische zu übe
Sie weiß, wie Schwaben schwätzen: Sylvia Scheufele hat Cindy Jäger (rechts) geholfen, Teile ihres ­Romans ins Schwäbische zu übersetzen. Foto: Markus Brändli

Eigentlich wollte Cindy Jäger nie einen Dialekt lernen. Diese Einstellung änderte sich, als sie bei einer Ausschreibung des Silberburg-Verlags teilnahm und sich dazu entschied, einen Regio-Krimi über Weilheim zu schreiben. „Die Miss-Marple-Filme haben mich inspiriert, mir selbst eine Kriminalgeschichte auszudenken“, erzählt Cindy Jäger. Sie ist jetzt als E-Book erschienen.

Die Autorin war längere Zeit als Lehrerin tätig und hat schon viel von der Welt gesehen: Ursprünglich kommt sie aus der Nähe von Leipzig, lebte später in Berlin und unterrichtete an einer deutschen Auslandsschule in Ungarn. Durch ihren Lebensgefährten zog sie 2014 nach Weilheim. „Vorher hatte ich mit dem Süd­westen gar nichts zu tun“, merkt sie an. Mit dem schwäbischen Dia­lekt musste sie erst einmal warm werden: „Am Anfang habe ich hier niemanden verstanden und es hat mich große Überwindung gekostet, beim Bäcker das erste mal ‚Weckle‘ zu sagen“, erinnert sie sich und lacht. Für die Dialoge der Weilheimer im Krimi hat sich Cindy Jäger ein Deutsch-Schwäbisches Wörterbuch zugelegt. Das Ergebnis klang für die Autorin allerdings nicht authentisch genug. Deshalb holte sie sich Hilfe von ihrer schwäbischen Freundin Sylvia Scheufele. Ein paar Mal hat sie sich mit der Weilheimer Sportlehrerin getroffen, um möglichst realistische schwäbische Dialoge im Buch unterzubringen, die trotzdem gut verständlich sind. „Mir war wichtig, dass auch Menschen aus Norddeutschland das Buch lesen können“, erklärt sie. „Das breite Schwäbisch auf der Alb verstehe sogar ich manchmal nicht mehr“, fügt Sylvia Scheufele hinzu.

Nicht nur der Dialekt war eine Hürde für Cindy Jäger. Mehrere Morde passieren in ihrer Kriminalgeschichte, obwohl die Weilheimerin sich vor blutigen Geschichten gruselt und darüber früher auch nicht schreiben wollte. Für die Namen ihrer erfundenen Weilheimer Bürger hat sie einen Spaziergang zum Friedhof der Stadt gemacht und sich typisch schwäbische Nachnamen notiert. „Mir war wichtig, dass keine Figur im Buch den selben Namen hat wie jemand, der gerade in Weilheim wohnt“, teilt sie ihre Absicht mit und ergänzt: „Man braucht auch unsympathische Leute in einem Krimi und ich wollte keinen echten Menschen durch einen Namen ins schlechte Licht rücken.“ Bei den Weilheimer Läden passte sie genauso auf: „In meinem Krimi geht es um eine Trockenobstfabrik, weil das der einzige Laden war, der mir eingefallen ist, den es nicht in irgendeiner Weise schon in Weilheim gibt“, sagt sie lachend.

Die Hauptfigur Katrin Schimmelpfennig führt im Buch ein Leben, wie es der eine oder ­andere Weilheimer wohl auch tut: Sie isst gerne Zwiebelrostbraten und Spätzle und liest regelmäßig den Teckboten, um sich zu informieren. Die Probleme der Bürger im Krimi haben zudem Ähnlichkeiten mit den aktuellen Ereignissen im Schwabenländle rund um die Teck: Es herrscht ein Kampf gegen ein neues Bauprojekt in Weilheim, bei der eine Streuobstwiese weichen muss. Im Buch spitzt sich der Konflikt allerdings zu: Auf der Baustelle der Firma Gscheidle wird schließlich die Leiche eines Gegners des Wohnungsbauprojekts gefunden.

Cindy Jäger hat sich die Handlung ihres Romans meistens mitten in ihrem Alltag ausgedacht: Bei einem Spaziergang an der Limburg oder einem Kaffee mit Blick auf die Peterskirche kamen ihr die Ideen, die sie in die Geschichte mit einbauen wollte. Auch die Sprachbarrieren, die die Berliner Trickbetrügerin Katrin Schimmelpfennig in Weilheim hat, haben die Autorin selbst am Anfang begleitet.

Zwar hat Cindy Jäger schon mehrere Bücher geschrieben, ein Regio-Krimi war für sie allerdings eine neue Herausforderung. Neu ist auch, dass ihr Roman nicht als gedrucktes Buch, sondern vorerst ausschließlich als E-Book erscheint.

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