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Wernauer Handballer konzentrieren sie sich auf die Basis

Comeback Früher wollte der HCW hoch hinaus, dann wurde Geld knapp. Heute ist der Verein für die Jugend attraktiv.

Mit Spaß bei der Sache: Der Wernauer Handballnachwuchs um Trainer und Jugendleiter Thomas Bäurle.
Mit Spaß bei der Sache: Der Wernauer Handballnachwuchs um Trainer und Jugendleiter Thomas Bäurle.

Wernau. Kürzlich war der HC Wernau in der Zentrale des Handball-Verbandes Württemberg mal wieder ein Thema. So sehr, dass es einen Anruf gab, um nachzufragen, was bei dem Verein denn los sei. Gleich zwölf junge Teilnehmer hatte der HCW zum Schiedsrichter-Neulingskurs gemeldet - das ist ungewöhnlich. Und positiv.

Ansonsten aber ist es ruhig geworden um den Verein, der einst nach Höherem strebte und damit mehrfach scheiterte. Den heutigen Machern ist das recht. Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Handballerinnen und Handballern in Wernau eine sportliche Heimat zu bieten, in der sie sich wohl fühlen und ihrem liebsten Hobby nachgehen können. Nicht mehr und nicht weniger.

Von „leistungsorientiertem Breitensport“ spricht Thomas Bäurle, wenn er das Credo des heutigen HCW umschreibt und man merkt dem Jugendleiter an, dass er zufrieden ist mit dem, was er und die anderen Macher im Verein angestoßen haben. Während früher auch mit finanziellen Mitteln starke Teams zusammengestellt wurden, spielen nun wieder vor allem Wernauer in Wernau Handball. Auf bescheidenerem Niveau, aber mit Spaß und Nestwärme.

Und vor allem: Beim Nachwuchs geht was. 300 Mitglieder hat der Verein, davon sind 200 Kinder und Jugendliche. Mit Ausnahme der weiblichen B-Jugend sind alle Altersklassen besetzt. Das kann auch manch größerer Verein nicht von sich behaupten. „Es ist ein komplett anderer Ansatz“, erklärt Vorstand Markus Mangold. Früher war er für die Finanzen zuständig und merkte, dass es immer klammer wurde, je stärker die Ambitionen stiegen. „Damals wurden fast alle Mittel in die ersten Mannschaften gesteckt, das kann nicht angehen“, erklärt er.

Seit 2015 ist Mangold Vereinschef. Dass er diesen Titel irgendwann nicht mehr tragen wird, wenn die Vereine der Gemeinde wie geplant als TSV zusammengehen, stört ihn nicht. Mangold steht hinter der Fusion. Er führt gerne ein Amt aus, aber Ehre braucht er nicht. Vom höherklassigen Handball hat sich der HCW verabschiedet. Die Männer, bei denen gerade Rene Wenetiou das Traineramt von Ralf Burkhart übernommen hat, spielen in der untersten Liga, die Frauen in der Bezirksliga, seit der vergangenen Saison gibt es ein zweites Frauenteam.

Es kommen wieder mehr Handballerinnen und Handballer zum Training in die Halle, gerade jetzt nach der Coronapause. Die Kinder bringen ihre Schulkameraden mit. Und einige, die früher durch das Raster gefallen waren, als viele Spieler - und vor allem Spielerinnen - von außerhalb im HCW-Trikot Tore warfen, sind wieder da. Aber längst nicht alle: „Es tut weh, wenn man sieht, wie viele Wernauer in anderen Vereinen spielen“, sagt Bäurle.

Es engagieren sich auch wieder Menschen, die lange nicht in der Neckartalsporthalle waren. Bislang hat Mangold auch das Frauenteam trainiert. Als er signalisierte, dass er die Aufgabe aus Zeitgründen abgeben möchte, gewann er Sonja Lehnhardt und Max Liegat als Nachfolger. Lehnhardt ist Schiedsrichterin in der Frauen-Bundesliga und war früher selbst für den HCW am Ball, Liegat spielt zwar weiterhin beim TV Reichenbach in der Verbandsliga, unterstützt aber auf diese Weise seinen früheren Verein. Der Ur-Wernauer Mario Scheerer betreut die männliche A-Jugend.

Und Bäurle ist eh am Start. Als Papa-Trainer klettert auch er alle zwei Jahre eine Altersklasse mit. Solche Leute braucht ein Verein. Bäurle hatte übrigens auch die Idee, die Jugendlichen zu fragen, ob sie am Schiedsrichterkurs teilnehmen wollen. Die Reaktion war positiv. Zunächst beim HCW-Nachwuchs, dann in der Verbandszentrale. Sigor Paesler

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