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Wertschätzung für das Handwerk

Personalie Fabian Weber ist neuer Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Eines seiner ersten Anliegen ist es, die Handwerksbetriebe wieder mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. Von Greta Gramberg

Fabian Weber will das Image des Handwerks aufpolieren.
Fabian Weber will das Image des Handwerks aufpolieren.

Den Kaffee für den Gast brüht er selbst auf: Fabian Weber, seit August neuer Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen, will nicht den hierarchiebewussten Chef geben. Im Büro im Esslinger Westen muss er sich derzeit ohnehin noch viel auf die Erfahrung der anderen Mitarbeiter der Geschäftsstelle verlassen. Dass das ansonsten weibliche Team alles im Griff hat, hat es schon bewiesen. Nach gerade mal knapp einem halben Jahr hat Webers Vorgänger Clemens Schwickert das Amt niedergelegt. Bis Fabian Weber seinen Dienst antrat, waren dann ein paar Wochen vergangen. Er selbst wolle länger bleiben, verspricht der Neue.

Der 28-Jährige orientiert sich mit der neuen Stelle beruflich neu. Der gebürtige Kirchheimer hat an der Dualen Hochschule und bei der Landesbank ein BWL-Studium absolviert und im Bankwesen sowie in einem Betrieb für gewerbliches Immobilienleasing gearbeitet. Bevor er zurück in die Heimat kam, lebte Weber in München. In Kirchheim fühlten er und seine Partnerin sich wohler, erläutert Weber. Deswegen fiel im vergangenen Jahr die Entscheidung zur Rückkehr, und er suchte nach einer neuen Herausforderung. „Ich wollte etwas machen, wofür ich langfristig brenne.“

Die Neuorientierung begann in einem Sanitärbetrieb. „Ich habe eine andere Arbeit kennengelernt, andere Leute, und habe mit dem einen oder anderen Vorurteil aufgeräumt“, sagt Weber. Arbeit mit den Händen - das habe ihm gefallen. Nach einigen Monaten auf den Baustellen habe er dann ins Büro des Sanitärbetriebs gewechselt, wo ihm seine Erfahrung aus dem bisherigen Berufsleben zugute kam. „Da habe ich gemerkt: Das ist was für mich.“ Als die Stelle bei der Kreishandwerkerschaft ausgeschrieben wurde, griff er zu. Sein erster Eindruck: ein vielfältiger und abwechslungsreicher Job, in dem er mit seinen Fähigkeiten gut aufgehoben ist.

Ohne Handwerk aufgeschmissen

In den ersten Wochen musste er sich an das neue Umfeld gewöhnen. Die Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft ist zugleich die der 14 Mitgliedsinnungen. Darunter sind mehrere aus dem Bau- und Ausbaubereich, aber auch das Kfz-Gewerbe, Friseure und Kosmetiker sowie Schneider. Außerdem unterstützt die Kreishandwerker­schaft im Landkreis die Arbeit der Handwerkskammer und berät und unterstützt Betriebe. Für diese wurden über den Sommer Prüfungen organisiert und Zeugnisse ausgegeben. Er habe die Gelegenheit genutzt und schon einige Mitgliedsunternehmen besuchen können, so Weber. In den vergangenen Wochen stand dann die Organisation der Vorstandssitzungen der Innungen an.

„Wichtig ist, dass wir den Betrieben, wo es geht, Arbeit abnehmen, damit sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können“, sagt Weber. Dafür sei es wichtig, Verständnis für das Handwerk zu haben, um zu wissen, wo Unterstützungsbedarf besteht. Auch möchte Weber die Hintergründe seiner Aufgaben besser verstehen lernen, um dann Pläne für die Ausrichtung seiner Arbeit zu machen. Zumindest ein Ziel kann er schon formulieren: Er wolle das Handwerk präsenter im Landkreis machen. „Wir alle sind ohne das Handwerk aufgeschmissen. Die Rolle der Arbeit der Betriebe für die Gesellschaft muss mehr wertgeschätzt werden.“ Dem Handwerk und dessen Beschäftigten schlügen noch immer Vorurteile und Desinteresse entgegen. Vom Imagegewinn, den das Handwerk in der Pandemie als krisen­sicherer Arbeitgeber erfährt, profitieren nach dem Eindruck Webers noch nicht alle Betriebe - etwa bei der Suche nach Auszubildenden.

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