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Wilder Wirbel sorgt für Verblüffung

Konzert Das Peter-Protschka-Quintett aus Köln eröffnete nach monatelanger Corona-Pause den Veranstaltungs-Reigen des Kirchheimer Clubs Bastion mit einem fulminanten Auftritt. Von Rainer Kellmayer

Jeder ein Meister seines Instrumentes: Die Musiker des Kölner Quintetts entführten die Zuhörer auf eine spannende Reise durch di
Jeder ein Meister seines Instrumentes: Die Musiker des Kölner Quintetts entführten die Zuhörer auf eine spannende Reise durch die verschiedenen Facetten der Jazzmusik. Foto: Rainer Kellmayer

Des erschde Konzert des Johr! Schön, dass ihr gekommen seid.“ Ein Plakat mit diesen Worten am Eingang des Clubs Bastion begrüßte die Gäste, die genauso wie die Veranstalter sichtlich froh waren, dass es nach der langen Corona-Pause endlich wieder Livemusik im urigen Kellergewölbe geben konnte. Auch Peter Protschka, der mit seinem Quintett aus Köln angereist war, freute sich: „Es ist toll, wieder vor Publikum auftreten zu können.“

Mit „August in Paris“ legte die Band furios los. Die Jazzer entführten in faszinierende Klangwelten, begeisterten mit sattem Sound und makellos geführten Unisono-Linien. Mit spannenden Melodiefragmenten löste sich das Saxofon von Rick Margitza zunächst verhalten aus dem Tutti, um sich dann zu brillanten Klangkaskaden aufzuschwingen. Der aus Detroit stammende Top-Saxofonist bediente die Klappen seines Instruments bravourös und veredelte den zuweilen recht herben Ton mit sparsam eingesetztem Vibrato. Mit einem knackigen Triller leitete Peter Protschka sein Solo ein: Das souverän geblasene Flügelhorn zog geschmackvolle Melodienlinien, erklomm brillante Höhen, um dann in der Mittel­lage differenzierte Intervallketten zu durchschreiten. Man spürte: Protschka ist nicht nur ein routinierter Jazz-Profi, der mit allen Wassern gewaschen ist und die verschiedenen Stilrichtungen mit traumwandlerischer Sicherheit beherrscht. Ebenso ist der vielseitige Trompeter in der Klassik zu Hause - eine Kombination, die seinem Spiel tonliches Profil gab und für Variantenreichtum sorgte. Am Klavier gab Martin Sasse der Formation nicht nur den akkordischen Halt: Seine flinken Ausritte über die Tasten begeisterten ein ums andere Mal. Dabei konnte er sich auf eine phänomenale Technik stützen, die die inspirierten und von tiefer Musikalität geprägten Soli zum Erlebnis machten.

Beim 1931 von Harry Warren und Joseph Young geschriebenen „You’re My Everything“ zeigte Martin Gjakonovski eindrücklich, dass der riesige Kontrabass keineswegs ein behäbiges Instrument ist, das allenfalls zur Grundierung des Bandsounds taugt. Wenn er sich vom rastlos durchlaufenden Walking-Bass löste und zum Solo ansetzte, entpuppte er sich mit brillanten Aktionen als Meister auf Saiten und Griffbrett: Souverän und mit frappierender Technik durchschritt Gjakonovski den Quintenzirkel. Als Protschka und Kollegen den Song eigentlich zu Ende bringen wollten, war es dem Drummer noch nicht genug: Tobias Backhaus setzte ein fulminantes Schlagzeugsolo drauf. Dem Publikum blieb im wilden Wirbel von Trommeln und Becken nur ungläubiges Staunen, das sich in begeistertem Zwischenapplaus löste.

Das Programm bestand weitgehend aus Eigenkompositionen der Bandmitglieder, geprägt von einer eigenständigen Musiksprache in der Tradition des Hardbops der 1960er-Jahre: energetisch aufgeladen, mit gelegentlichen Ausflügen in wunderschön phrasierte Melodiepassagen, um dann wieder den kraftvollen, rhythmisch artikulierten Herzschlag aufzunehmen. Nachdem die Musik in „Tom’s Groove“ in lockerem ­Swing über die Bühne gekommen war, läutete eine wunderschöne Bal­lade das Finale ein. Rick Margitza zog feine Tonspuren, färbte diese mit kunstvoller Tongebung mannigfach ein und sorgte für dynamische Differenzierung. Und als man glaubte, der Titel würde zu einem ruhigen Ende kommen, setzte der Saxofonmeister dem Ganzen mit einer spektakulären Kadenz die Krone auf.

Beim Schlusstitel machte das Peter-Protschka-Quintett nochmals ordentlich Dampf: Wild pulsierten die Töne, das Zusammenspiel der Band war makellos, und in den Chorussen zogen die Solisten nochmals alle Register. Das Publikum war restlos begeistert. Und natürlich gab es im Club Bas­tion noch eine Zugabe.

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