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„Wir haben ein starkes Wespenjahr“

Insekten In diesem Sommer sind besonders viele Wespen unterwegs. Rolf Frey, Wespen- und Hornissen-Fachberater beim Nabu, gibt Tipps zum richtigen Umgang mit den Insekten. Von Matthäus Klemke

Nicht nur Schwaben stehen auf Brezeln mit Marmelade, auch Wespen mögen die süße Versuchung. Foto: Jean-Luc Jacques
Nicht nur Schwaben stehen auf Brezeln mit Marmelade, auch Wespen mögen die süße Versuchung. Foto: Jean-Luc Jacques

In der Sonne sitzen, ein Eis schlemmen und einfach den Sommer genießen. Es könnte so schön sein - wenn man nicht schon nach wenigen Sekunden von drei, vier Wespen belagert werden würde. „2020 ist ein starkes Wespenjahr“, bestätigt Rolf Frey, Wespen- und Hornissen-Fachberater und Vorstandsmitglied des Nabu-Kreisverbands Esslingen. Grund dafür seien der milde Winter und das sonnige Frühjahr. So konnten viele Wespen-Königinnen neue Völker gründen.

Von den acht einheimischen Wespenarten sind aber nur zwei richtige Störenfriede: die Deutsche und die Gemeine Wespe. Angezogen werden sie unter anderem von süßen Speisen wie Marmelade oder Kuchen. „Dazu gehören auch sämtliche Säfte“, sagt Frey. Dabei sind die Wespen recht wählerisch. „Hochwertigere Säfte ziehen sie stärker an als Saftkonzentrat, weil die Säfte intensiver riechen.“

Auf dem Speiseplan stehen aber auch eiweißhaltige Produkte wie Schinken. Um die Wespen vom Kuchen oder der Wurst zu vertreiben, neigen viele Leute dazu, nach ihnen zu schlagen oder sie anzupusten. Das sollte man tunlichst unterlassen, rät der Experte. „Am besten bleibt man ruhig und fuchtelt nicht herum, denn die Wespen werden aggressiv ums Futter kämpfen.“

Das Anpusten vertreibt die Wespen nicht, sondern macht sie nur wütender. Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt als Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffshaltung.

Wer seine Ruhe haben möchte, dem empfiehlt Frey ein Ablenkungsmanöver: „15 Minuten bevor man das eigene Essen auf den Tisch stellt, einfach einen Teller mit Marmelade oder ein Glas Apfelsaft in drei bis fünf Metern Entfernung platzieren.“ Die Wespen werden sich drauf stürzen und einen in Ruhe essen lassen: „Solange die alte Futterstelle etwas hergibt, werden sich die Wespen keine neue suchen“, so Frey.

Keine gute Idee ist hingegen der Gebrauch von Wespenfallen oder Wespensprays, sagt der Experte. Die seien im Handel zwar frei verfügbar, ihr Einsatz ist aber verboten. Die Insekten stehen unter Naturschutz - das Fangen, Verletzen oder Töten von Wespen „ohne vernünftigen Grund“ kann laut Bußgeldkatalog in Baden-Württemberg bis zu 15 000 Euro kosten. Bei besonders geschützten Wespenarten ist ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro möglich. Eine Ausnahme gilt für Allergiker. Sie dürfen Wespen töten, ohne ein Bußgeld befürchten zu müssen.

Wer ein Nest bei sich daheim entdeckt, sollte also auf keinen Fall versuchen, es auf eigene Faust zu beseitigen, sondern sich an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises wenden.

Allerdings ist in vielen Fällen ein Miteinander von Mensch und Wespe durchaus möglich, sagt Frey. „Wenn man nicht gerade Allergiker ist, sind Wespen für den Menschen ungefährlich.“ Wichtig ist es, dem Nest nicht zu nahe zu kommen. „Man sollte einen Abstand von zwei Metern einhalten.“

Wer gestochen wird, muss sich in der Regel keine Sorgen machen. Wespenstiche sind zwar schmerzhaft, für gewöhnlich aber ungefährlich. „Wenn Menschen gestochen werden, bekommen sie häufig nur einen Warnschuss von der Wespe“, sagt Frey. „Wespen können auch deutlich aggressiver zustechen. Zum Beispiel, wenn sie ihr Nest verteidigen.“

Anders als bei einer Biene bleibt der Stachel der Wespe nicht in der Haut stecken. Eine Wespe kann also durchaus öfter zustechen. Der Stich sorgt für einen stechenden Schmerz, das Wespengift führt zudem zu einer sofortigen Rötung und Schwellung. Die Einstichstelle fängt außerdem an zu jucken. Die Beschwerden können bis zu vier Tage andauern.

Auf gar keinen Fall sollte man die Einstichstelle mit dem Mund aussaugen. Das Gift gerät über die Zunge und die Schleimhäute schneller in den Körper, was für Allergiker sehr gefährlich werden kann. Laut Frey hilft bei einem Stich sowohl Kälte als auch Wärme. Ein kühlender Umschlag lindert die Schwellung und den Schmerz. Aus der Apotheke kann man sich außerdem einen sogenannten Stichheiler besorgen, der sich auf bis zu 50 Grad erhitzt und den man auf den Stich drückt. Die Wärme zerstört das Eiweiß im Gift und macht es unschädlich.

Bei Allergieverdacht oder Stichen im Mund-Rachen-Bereich sollte allerdings keine Zeit vergeudet und sofort ein Arzt aufgesucht werden. Schwäche, Übelkeit, ein Anschwellen des Gesichts und des Halses, Atemnot und Herzrasen können Anzeichen für eine Allergie sein.

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