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„Wir müssen den Lebensraum Schule offen halten“

Politik Kultusministerin Theresa Schopper spricht mit Eltern und Schülern online über Corona und Digitalisierung.

Kirchheim. „Unsere Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll und es gibt Brennpunktgebiete in denen die Schulen sogar als Familien- ersatz fungieren. Daher ist es unsere Pflicht, diesen Lebensraum offen zu halten“, sagte Kultusministerin Theresa Schopper beim Online-Talk von Bündnis 90/Die Grünen mit Bürgern, Eltern und Schülervertretern. Die Ministerin berichtete von einer Taskforce, die für Lernprogramme und Sommerferienschulen akquiriert wurde. „Ein Viertel aller Kinder hat diesbezüglich Defizite.

Im Herbst werden die Schulen Lernstofferhebungen durchführen, bei Bedarf wird es dann unterrichtsbegleitende Unterstützung geben. Da diese Maßnahmen voraussichtlich nicht ausreichen, wird zusätzlich in Kooperationen mit Volkshochschulen und Nachhilfeinstituten investiert, für welche wir Bildungsgutscheine verteilen werden.“ Die Ministerin zeigte sich erleichtert darüber, dass ab Pfingsten 2021 Normalität in den Schulen Einzug hielt. „Mein Ziel ist es, diesen Zustand so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Die Schließung einzelner Schulen bei größeren Corona-Ausbrüchen kann ich jedoch nicht ausschließen.“

Organisiert hatte den Talk der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Matthias Gastel. Seine Frage, ob Kinder die Masken während der Schulzeit bald wieder absetzen könnten, verneinte Theresa Schopper entschieden. „Die Masken gehören zu den unterstützenden Hygienemaßnahmen, den sogenannten Sicherheitszäunen, die die Öffnung der Schulen überhaupt ermöglichen. Der Winter wird so oder so nicht einfach werden.“ Nun bringt der Elternbeirat das Thema Luftfilter ins Spiel. „Luftfilter und CO2-Ampeln zählen lediglich als Unterstützung der Hygienemaßnahmen. Für mich persönlich ist der absolute Gamechanger im Kampf gegen die Pandemie die Impfung“, erklärt Schopper.

„Wir Schüler sind zum Großteil bereit, die erforderlichen Maßnahmen mitzutragen. Egal, ob es sich um regelmäßiges Testen, um Lüften, um das Maskentragen oder auch ums Impfen handelt - wenn die Alternativen Lockdown und Schulschließung heißen, tun wir fast alles, um das zu verhindern. Da ist es doch das kleinere Übel, mit einer Jacke im Klassenzimmer zu sitzen und alle 20 Minuten die Fenster weit aufzureißen“, sagt Johannes Brand, Mitglied im Landesschülerbeirat. Auch das Thema Digitalisierung kommt zur Sprache. „Ich persönlich bin der Meinung, dass die Lehrer durch die Pandemie gezwungen wurden, die Digitalisierung anzunehmen. Dadurch haben wir innerhalb kürzester Zeit einen abnormalen Sprung in Bezug auf digitales Lernen gemacht“, sagt Johannes Brand und fügt hinzu: „Bei manch einem Lehrer fragten wir Schüler uns, ob er überhaupt in der Lage dazu wäre, eine Maus zu bewegen, geschweige denn online Unterricht zu machen. Aber 98 Prozent haben es einfach getan. Dafür sind wir Schüler und auch unsere Eltern sehr dankbar.“

Theresa Schopper pflichtet ihm bei: „Die Lehrerschaft wurde ad hoc vor eine kaum zu bewältigende Aufgabe gestellt: den Unterricht digital fortzuführen“, erklärt sie. Weder sei dafür die Infrastruktur vorhanden gewesen noch das Know-how. Durch die Investition von 650 Millionen Euro für Leihgeräte, Administratoren und Fortbildungen von über 70 000 Lehrern sei man aber auf einem guten Weg, bekräftigt die Ministerin.

Auf Gastels Frage, wie sich das Schulsystem unter ihrer Leitung weiterentwickeln werde, sagt Theresa Schopper: „Die Bildungsgerechtigkeit und die Chancengleichheit aller Kinder stehen auf meiner Agenda ganz oben. Hinzu kommt das Thema Inklusion in allen Schularten, und wir werden das Problem des Lehrermangels aktiv angehen, indem wir mehr Studienplätze sowie weitere Ausbildungsmöglichkeiten schaffen.“ Momentan stehe das Virus aber immer noch im Vordergrund. Wir stecken unsere Kraft in die Bemühung, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Denn eine der größten Lehren, die mich die Pandemie lehrte, heißt: Kinder brauchen Kinder.“Anja Schulenburg

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