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„Wir sind doch nicht aus Zucker, oder?“

Open-Air-Event Die Kirchheimer Musikschule hüllte den Marstallgarten mit Spielfreude und Können trotz Regens in Sonnenschein. Online-Unterricht hat das Konzert möglich gemacht. Von Anja Schulenburg

Ich träume von freundlichen Gesichtern. Stell Dir Leute vor, die lachen. Hüll’ mich ein in Sonnenschein, überhäuf’ mich mit den guten Zeiten und sag’ mir, dass alles gut werden wird“. Mit dem Song „Cover me in Sunshine“ von Pink sang sich das Jugend­chor­ensemble der Kirchheimer Musikschule im Marstallgarten von Beginn an in die Herzen der Zuschauer. Da wurde geschnipst und gewippt, und wäre es erlaubt gewesen, hätte sicherlich der eine oder andere im Pub­likum angefangen, das Tanzbein zu schwingen.

Vom Beschwingten ging es dann in eine ganz andere ­Richtung: ­Birdys Song „People“, in dem Menschen aufgefordert werden, anderen Menschen zu helfen, und der in Zeiten von Corona und Flutkatastrophen noch mal eine ganz andere Tragweite bekam, berührte zusätzlich durch die emotionale Stimme von Noemi, die von Klavierschülerin Caroline begleitet wurde.

Nachdem Musikschulleiter Hans-Peter Weyhmüller die Zuhörer begrüßt hatte, kommentierte Gesangslehrerein Andrea Wahl den kritischen Blick einiger Zuhörer in den Regenhimmel ganz lässig mit den Worten: „Wir sind doch nicht aus Zucker, oder? Natürlich ziehen wir das jetzt durch. Unsere Schüler und Schülerinnen haben sich so auf diesen Tag gefreut und hart dafür gearbeitet.“ Und so wurde Tamaras Song „Mach dich leicht“ gleich zum Motto des Morgens auserkoren: „Es muss nicht immer alles perfekt sein - Du bist gut so, wie Du bist.“

Tatsächlich waren sie alle wunderbar, jeder auf seine Art und Weise. Mit Leidenschaft und positiver Energie zogen die Schüler und Schülerinnen die Menschen immer wieder in ihren Bann und regten gleichzeitig auch zum Nachdenken an. Von Bewunderung und Applaus begleitet, unterstrich das kontrastreiche Programm die unglaubliche Vielfalt der Interpreten und Interpretinnen: Vor der Kulisse des Kirchheimer Schlosses folgte auf Hannas und Amelies Musicalsong aus Aladdin eine zauberhafte Darbietung von Leonie und Finja mit „Drivers License“. Hanna machte anschließend unter dem Raunen des Publikums einen gefühlvollen Abstecher in die Kategorie „Symphonic Metal“. Das Ensemble beeindruckte mit einem anspruchsvollen, mehrstimmigen Satz aus dem Musical Wicked und Maike gab gegen Ende noch den Mutmachsong „Brave“ mit kraftvoller Stimme zum Besten. Begleitet wurden die Solistinnen von Michael Holder und seinen Klavierschülern, die ebenfalls durch ihre Spielfreude beeindruckten.

„Dieses spartenübergreifende Projekt ermöglichte es den Kindern, gemeinsam Musik zu machen, sich auszuprobieren und zu lernen, aufeinander zu hören“, meinte eine begeisterte Mutter aus dem Publikum.

Alle Musiker bestachen durch Können, Charme und Selbstvertrauen, sehr zum Stolz ihrer Lehrerinnen Andrea Wahl und Maria Martinez, die bereits während des Lockdowns den Gesangsunterricht online fortführten. „Nur so war dieses Programm überhaupt möglich“, erklärte Andrea Wahl, die mit kleinen Anekdoten durch den Morgen führte. „Die Kinder brauchen die Musik und das gemeinsame Musizieren. Sie waren richtig ausgehungert und voller Tatendrang.“ Von zaghaften Sonnenstrahlen und vielen glücklichen Gesichtern begleitet, kamen sämtliche Interpreten und Interpretinnen mit „Cover me in Sun­shine“ schließlich in einer Art Reigen zum Ende.

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