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Wo bleibt Karl May?

Zum Artikel „Einem Kleinod droht der Abriss“ vom 29. Dezember und den Leserbriefen dazu

Der drohende Abriss des Baumhauses sowie das vermutlich damit verbundene Fällen der alten Bäume im Weise-Areal zeigt die derzeitige Denk- und Kommunikationsweise der Stadtpolitiker wie in einem Brennglas. Schon die zu erwartende Namensgebung „Wohnen im Weisepark“ ähnelt der Bezeichnung „Hallenbadquartier“, obwohl weit und breit kein Wasser oder gar ein Hallenbad mehr zu sehen ist.

Wie wäre es im Falle Weise mit der Bezeichnung „Wohnen im Karl-May-Areal“? Immerhin war der allerdings nur noch der älteren Generation bekannte Autor einige Tage zu Besuch bei Fabrikant Weise. In diesen Zusammenhang gehört auch die Frage, ob nicht das Anbringen einer Gedenktafel zur Erinnerung an einen Nobelpreisträger - Hermann Hesse - der Stadt und der Tourismusförderung gut zu Gesicht stünde. Auch die nicht gerade einladende Gestaltung des Marktplatzareals weist in diese Richtung.

Neben dem mangelnden Geschichtsbewusstsein ist auch ein eingeschränktes „Gesichtsbewusstsein“ festzustellen. Wie in den anderen Leserbriefen schon dargestellt, beherrscht der offensichtlich aus Kostengründen so beliebte Kubus - „Ritter Sport“ - mit integrierten „Schießschartenfenstern“ die städtebauliche Szenerie. Dessen Verteidigungscharakter wird noch durch die unsäglichen Gabionenwände betont und ähnelt damit eher einer Gefängnismauer als der Abgrenzung eines Wohnbezirkes. Vielleicht ist es möglich, den einen oder anderen Gemeinderat zum Nachdenken zu bringen, ob neben der Klimapolitik nicht auch die Historie mit der daraus resultierenden Architektur einen Wert darstellen, der ihre Entscheidungen beeinflussen könnte?

Dr. Martin Schmieder, Kirchheim

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