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Wölfe, die Menschen töten

Zum Leserbrief „Wolf und Mensch: Fakten“ vom 31. Januar

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Angriffe auf Menschen durch tollwütige, aber auch durch gesunde Wölfe traten im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts zwar gehäuft auf. Solche Ereignisse waren aber - bezogen auf den langen Zeitraum von 250 Jahren- relativ selten. Auch in historischen Aufzeichnungen wurden sie als Ausnahmen vom „normalen“ wölfischen Verhalten betrachtet. Prädatorische Angriffe - also Fälle, in denen gesunde Wölfe Menschen töten, um sie zu fressen - wurden damals von speziellen Umweltbedingungen begünstigt, die sich mit denen im heutigen Europa nur noch bedingt vergleichen lassen. Aufgrund eines extrem niedrigen Wildtierbestandes waren beispielsweise viele Wölfe dazu gezwungen, sich ausschließlich von Nutztieren, Aas und Abfällen im Umkreis menschlicher Siedlungen zu ernähren. Unter diesen Umständen wurden - wie man sich denken kann - vorzugsweise Hütekinder (manchmal auch Frauen) angegriffen.

Heute befinden wir uns zumindest in Europa in einer wesentlich entspannteren Situation. Die Tollwut ist europaweit fast ausgerottet, die Wildtierbestände sind massiv angewachsen und Hütejungen und -mädchen haben längst ausgedient.

Sicher, Wölfe sind keine Kuscheltiere, unter anderem deshalb gibt es ja Wolfsmanagement und -monitoring. Aber das Risiko für Menschen, heutzutage von einem Wolf verletzt oder gar gefressen zu werden, ist nach heutigem Wissensstand sehr gering - jedenfalls deutlich geringer als das, von einer verirrten Jägerkugel getroffen oder Opfer von Mord und Totschlag zu werden.

Marie-Luise Strewe, Lenningen