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Wohnungen und Arbeit sind Mangelware

Sozialdienst Das Aufgabenfeld des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Kirchheim ist größer geworden.

Kirchheim. Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) ist gestärkt worden - Fluch und Segen zugleich, wie Dorothee Ostertag-Sigler gegenüber Sozialminister Manne Lucha verdeutlichte. Die beiden kennen sich schon lange, denn ihre Weiterbildung absolvierte Dorothee Ostertag-Sigler bei Manne Lucha.

Vergangenes Jahr waren 271 Klienten in der Grundversorgung zu betreuen, dazu kommen weitere Menschen im Ambulanten Betreuten Wohnen und in der Soziotherapie. Somit ist der SpDi im Kirchenbezirk Kirchheim für 307 Klienten zuständig. „Unser Einzugsgebiet umfasst knapp 100 000 Einwohner in einem relativ großen Umkreis. Es geht rauf bis zur Alb“, erklärte Dorothee Ostertag-Sigler. Hausbesuche gehören zu ihrer Arbeit. Zwei Vollzeitstellen werden vom Land bezuschusst. Das sei nicht viel, drei oder vier Kollegen müssten es bei den neuen Anforderungen sein, rechnete sie vor. „Die Menschen werden schneller aus der Klinik entlassen. Sie sind noch nicht gesund und stehen mit dem Koffer bei uns vor der Tür“, nannte sie das Beispiel einer manisch erkrankten Frau.

Immer mehr besorgte Nachbarn und Verwandte rufen beim SpDi an und suchen das Gespräch, wenn jemand auffällig wird. „Viele Betroffene wollen nicht behandelt werden, und die, die Hilfe in Anspruch nehmen wollen, müssen mit immens langen Wartezeiten rechnen. Wenn ich im August beim Psychiater anrufe, bekomme ich einen Termin im März. Bei den Psychotherapeuten sieht es gleich aus“, so Dorothee Ostertag-Sigler. Diese Zwischenzeiten muss der SpDi überbrücken.

Der fehlende Wohnraum findet auch hier seinen Niederschlag. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich gibt es zu wenig Plätze und damit Wartezeiten. „Psychisch Kranke finden keinen eigenen Wohnraum. Es wird unsere erfolglose Aufgabe, sie bei der Suche zu unterstützen.“

Die Ombudsfrau anrufen

Ein weiteres Reizwort ist die Teilhabe am Arbeitsleben. Hier gibt es viele Ablehnungen durch die Deutsche Rentenversicherung (DRV). „Die Gründe dafür sind meist nicht nachvollziehbar, und Widerspruchsverfahren dauern oft Jahre“, sagte Dorothee Ostertag-Sigler. Aus ihrer Sicht ist ein zweiter Arbeitsmarkt notwendig. „Ich finde die kurzen Wege hier ganz toll. Ich schicke viele in den Diakonieladen nebenan. Diese Art der Teilhabe trägt zur Heilung bei“, ist ihre Erfahrung.

In Fällen unverständlicher Ablehnung durch die DRV soll sofort die Ombudsfrau in seinem Ministerium in Kenntnis gesetzt werden, riet der Minister. „Deshalb haben wir diese Stelle“, sagte Manne Lucha. Iris Häfner

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