Unzugeordnete Artikel

Zeigen, was machbar ist

Architektur Der neue Anbau des Eisbärhauses in Kirchheim ist von der „Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ ausgezeichnet worden, und das wurde gebührend gefeiert. Von Sabine Ackermann

Sind begeistert von der Nachhaltigkeit des Eisbärhauses (von links): der geschäftsführende DGNB-Vorstand Johannes Kaißer, Staats
Sind begeistert von der Nachhaltigkeit des Eisbärhauses (von links): der geschäftsführende DGNB-Vorstand Johannes Kaißer, Staatssekretärin Andrea Lindlohr, Architekt Matthias Bankwitz, Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz und OB Pascal Bader.Foto: Sabine Ackermann

Die Erweiterung des Eisbärhauses in Kirchheim hat Platin bekommen. So steht es auf einer Plakette, die der geschäftsführende Vorstand der „Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ (DGNB), Johannes Kreißig, dem Generalplanungs- und Architekturbüro Bankwitz überreichte. Auch die beiden Landtagsabgeordneten der Grünen, Staatsekretärin Andrea Lindlohr und Andreas Schwarz, sowie Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader sprachen Matthias Bankwitz ihre Anerkennung aus. „Sie haben sich bereits um den Klimaschutz verdient gemacht, als dieses Thema noch nicht so präsent war wie heute“, sagte das Stadt- oberhaupt.

„Bauteil C“ nennt sich der neue Anbau des Wohn- und Geschäftshauses, der sich auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit stützt: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Die Auszeichnung steht für herausragende und beispielhafte Leistungen der Architektur. Neben der hohen innovativen und gestalterischen Qualität mussten in Summe 37 Kriterien nachgewiesen werden. „Um Nachhaltigkeit bewerten zu können, muss sie quantifizierbar und messbar sein“, erklärte Johann Kreißig, dessen Ziel es ist, „dass nachhaltiges Bauen für alle normal wird.“ Danach müssen sich auch alle Handwerker richten. So kann beispielsweise ein falscher Kleber die Emissionswerte erhöhen. Wichtige Aspekte sind unter anderem die Ökobilanz des Gebäudes, Innenraum-Luftqualität, verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung sowie Schall- und Immissionsschutz. Geachtet wird außerdem auf die Reinigungsfreundlichkeit des Baukörpers und die Aufenthaltsqualitäten im Inneren und außen. Für diese Bewertungsstufe in Platin musste das Bauwerk einen Gesamterfüllungsgrad von mindestens 80 Prozent nachweisen. Die DGNB kam beim Eisbärhaus sogar auf 94,2 Prozent. Laut Kreißig das bisher weltweit höchste Ergebnis, das im Rahmen der internationalen „World Green Building Week 2020“ ausgezeichnet wurde. Anlass genug zu feiern. Auch angesichts des 50. Jubiläums konnte die Bevölkerung einen Blick in sämtliche Räume des Wohn- und Geschäftshauses in der Kirchheimer Limburgstraße werfen. Rund 20 der insgesamt 60 Mitarbeiter standen den Besuchern für Fragen zum „nachhaltigen Innenleben“ zur Verfügung. Sie alle brennen geradezu für „ihr“ Eisbärhaus. Baulich und handwerklich Interessierte waren im „Bankwitz-Kino“ gut aufgehoben, dort gab es ein Zeitraffer-Video über die Erweiterung zu sehen.

Massive Möbel aus ausschließlich heimischen Hölzern, ohne Lack, Klebstoff und sichtbare Nägel oder Schrauben wecken ebenso Aufmerksamkeit wie Sitzgelegenheiten aus Filz oder „grüne Räume“ wie das „Dschungel- oder Mooszimmer“. Nach dem Motto „Telefonieren für den Klimaschutz“ befindet sich auf jedem Schreibtisch ein Festnetztelefon. „Wir telefonieren mit Headsets, WLAN gibt es nur an gewissen Stellen, Handys und Smartphones müssen aus sein“, erklärt Ralf Pimiskern, der als Architekt für den Industrie- und Gewerbebeau zuständig ist. Bei bestem Wetter nutzen Jung und Alt gerne den Garten, der in seiner Ursprünglichkeit zum Schaukeln, Plaudern oder Chillen einlädt. Für den ökologischen Rasenschnitt sei der Chef selbst zuständig.

Mit seiner Sense und den von einem Imker betreuten Bienenstöcken leistet Geschäftsführer Matthias Bankwitz konsequent einen weiteren Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Anzeige