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Zu Gast bei Freunden

Konzert Bei einem Gartenfest der Familie Benning in Weilheim gab es etwas, worauf viele lange verzichten mussten: Live-Musik. Die Party mit „AcouPack“ war gelungen, chillig und gar nicht mal so laut. Von Sabine Ackermann

„AcouPack“ sorgte bei der Weilheimer Familie Benning und ihren Gästen für ausgelassene Stimmung.
„AcouPack“ sorgte bei der Weilheimer Familie Benning und ihren Gästen für ausgelassene Stimmung.

Ain’t no sunshine“ von Bill Withers in der wärmenden Spätnachmittagssonne als Opener? Warum nicht, wenn es gut klingt. Zumal das Wetter für ein chilliges Gartenfest mit Leckereien vom Grill nicht besser hätte sein können.

Nadine und Rolf Benning aus Weilheim hatten eingeladen, wollten ihre neu gestaltete Terrasse mit Überdachung einweihen und sich bei Familie, Freunden und Geschäftskollegen bedanken - „die sind immer für uns da“. Gekommen waren 13 Erwachsene, fünf Kinder nebst Hundedame Kimba und als Überraschungsgast: „AcouPack“.

„AcouPack“, das ist eine Akustik-Band, die mit ihrer Live-Musik ganz zwanglos ein Stück Lebensfreude präsentieren möchte und dies, wie zahlreiche andere Künstler, ja monatelang nicht mehr machen konnte. Doch wenn man als Musiker der Pandemie eines abgewinnen kann, dann ist es mancherorts der Einstieg in den Minimalismus, kleiner zu denken und zufrieden zu sein mit dem, was gerade machbar ist. Zum Beispiel Auftritte im privaten Rahmen, Konzerte unter Freunden oder sogenannte „Gartenjams“, wie es das „Akustik Package“ nennt und lebt.

Bereits 2020 konnten sie drei Gastgeber glücklich machen, in diesem Jahr spielten sie noch bei Tina Schmid in Weilheim und Claudia Nothwang in Zell unter Aichelberg. Vier Männer im mittleren Alter, die in ihrer Freizeit einfach nur kompakt, ehrlich und pur Musik machen wollen, genau das, was seit nunmehr 17 Jahren ihre Leidenschaft ist. Ohne Verstärker, Lautsprecher oder sonstigem stromfressenden Schnickschnack - da zeigen sich die wahren Könner.

„Hauptsache, wir können wieder live vor Publikum spielen“, sagt Markus Vogt und spricht da im Namen aller Bandmitglieder. Er und Andreas Noever kommen aus Weilheim, spielen Gitarre und dominieren als Leadsänger, mal zusammen, mal einzeln. Aus Kirchheim stammen Bassist Bernd Zoch sowie Philipp Wankmüller, der am Schlagzeug beziehungsweise Percussion für den taktvollen Rhythmus sorgt.

Und das kommt vom ersten bis zum letzten Ton super bei den Gästen an, die Stimmung ist locker und fröhlich. Was auffällt, dass das Quartett ganz tief in der Musik­kiste gegraben hat, bewusst alte Klassiker aus den vergangenen 60 Jahren raushaut, die man kaum noch im Radio hört. ­Titel wie „Every rose has its thorn“ von Poison, „Cats in the Cradle“ von Ugly Kid Joe, „The Joker“ von der Steve Miller Band, „Rise to my feet“ von den Nice little Penguins, „Horse with no Name“ von America oder Pink Floyds „Wish you where here“ - alles vom Feinsten und genauso zelebriert.

Gleichfalls auffällig, dass die Gäste aufmerksam zuhören, kaum jemand redet, und wenn doch, dann ist es dezent und leise: eine Wertschätzung für die Band. Man genießt die tolle Atmosphäre, wippt mit den Füßen oder singt im Geiste mit geschlossenen Augen mit. Nadine Benning und weitere Mädels hält es nicht mehr auf den Stühlen, tanzen, bewegen sich zur Musik, drehen Videos und sind einfach im Glück. „Hast du das Klavier dabei?“, hakt Markus Vogt bei Andreas Noever vor Billy Joels Hit „Downeaster Alexa“ zur Sicherheit noch mal lachend nach, und man merkt: Auch die Musiker haben ihren Spaß.

Fast hätte Markus Vogt das Konzert absagen müssen, Andreas Noever war stimmlich angeschlagen. Insofern mussten die Liste der zu spielenden Stücke neu zusammengestellt werden, da sich die beiden Sänger normalerweise bei den mehrstimmigen Stücken ständig abwechseln. Gab’s deshalb Beschwerden? Nein, aber dafür jede Menge Beifall und Jubelrufe. Dass Andreas Noever eisern durchgehalten hat, dafür gebührt ihm Respekt. Es war ein besonderer Abend, bei dem Uriah Heeps „Lady in Black“ in Wolle Kriwaneks „Strossaboh“ dank „AcouPack“ direkt zum Gartenjam fährt - was will man in Corona-Zeiten mehr?

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