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Zum Auftakt der Drückjagdsaison

Ziel der herbstlichen Drückjagden ist es, in kurzer Zeit so viele Wildtiere wie möglich zu töten. Insbesondere die gefräßigen Schwarzkittel sollen mit Waffengewalt dezimiert werden. Für deren enorme Vermehrung können die Tiere selbst allerdings nichts, schuld ist allein Homo „sapiens“: Jahrzehntelange massive Freilandmast durch ganzjährige Fütterungen seitens der Jägerschaft, übermäßiger Mais-, Raps- und Getreideanbau (zu einem großen Teil für Viehfutter und Energiegewinnung) seitens der Landwirte und milde Winter infolge des Klimawandels führen zu geringeren Sterblichkeitsraten, früher Geschlechtsreife und ergo zu mehr Nachwuchs.

Abschüsse sind jedoch keine Lösung. Selbst Jäger geben mittlerweile zu, dass sie die Wildschweinpopulationen nicht mehr nachhaltig regulieren können. Neue Lösungsansätze sind deshalb dringend nötig. Zum Beispiel durch Immunokastration, eine Methode der Unfruchtbarmachung, die bereits in den USA erfolgreich zur Populationskontrolle von Weißwedelhirschen angewandt wird.

Kreativere Denkansätze müssen auch deshalb her, weil diese blutigen Gemetzel allen Regeln des Tierschutzes widersprechen. Glaubhaften Quellen zufolge sterben bei Drückjagden zwei Drittel bis drei Viertel der Tiere nicht sofort, sondern erleiden durch fehlerhafte Schüsse in Bauch, Beine oder Kiefer furchtbare Schmerzen. Aber selbst nach halbwegs ordentlich platzierten Treffern sind viele Tiere noch in der Lage, mehrere Hundert Meter weit zu flüchten. Durch Blutverlust und damit verbundenen Blutdruckabfall erblinden sie, laufen gegen Hindernisse, verlieren die Kontrolle über ihre Muskeln, bis sie umfallen und schließlich an Sauerstoffmangel ersticken. „Jedes Tier benötigt Zeit, um zu sterben“, sagt ein Jäger. Je nach Trefferqualität können so bis zum Tod Sekunden, Minuten, Stunden oder gar Tage vergehen.

Ist das die viel beschworene Waidgerechtigkeit?

Marie-Luise Strewe, Lenningen

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