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Zwischen Krieg und Hipstern

Es war ein Geschenk in jeder Hinsicht, denn gekauft hätte ich mir das Buch nicht. Der etwas dröge Titel und auch die ersten Seiten haben mich nicht richtig gepackt. Es geht um ein altes Haus im „Alten Land“ nördlich von Hamburg, um Vera, die als Flüchtlingskind nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter zur knorrigen Ida kommt und um die Nachkommen dieser Frauen, die so viel Leid erfahren haben. Aber was mir gefiel war, dass Dörte Hansen kein Mitleid mit ihren Protagonistinnen einfordert, dafür sind sie zu unsympathisch.

Mit ihrem lakonischen Stil pendelt Hansen zwischen den Zeiten und landet plötzlich im Hamburger Hipster-Stadtteil Ottensen. Dort versucht Anne, Tochter von Veras Stiefschwester, mit ihrem Sohn Leon und anderen Helikopter-Muttis klarzukommen. Köstlich ist eine Sandkasten-Szene, in der Leon die Sandschildkröten eines überbehüteten Wohlstandsjungen plättet. Anne wird von ihrem Mann betrogen und landet bei der griesgrämigen Vera, die das alte Haus von Ida übernommen hat und dort vereinsamt.

„Altes Land“ ist kein Drama mit kitschigem Happy-End, sondern eine fein beobachtete Familien- und Gesellschaftsgeschichte. Und wer etwas Plattdeutsch lernen will, kann das auch noch tun - wie die Autorin selbst.

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