Von der Jungsteinzeit ins Industriezeitalter: Der Kirchheimer Hegelesberg wird Gewerbegebiet
Platz für Firmen und Betriebe

Er war Ackerland, IKEA-Erwartungsland, Verkaufsfläche für Kürbisse und Gladiolen und vieles mehr: der Kirchheimer Hegelesberg. Jetzt wird die autobahnnahe Fläche zum neuen Gewerbegebiet. Der Gemeinderat befürwortete mit großer Überzeugung den Beschluss, der für Entspannung auf dem Markt der raren Gewerbegrundstücke sorgen soll.

Kirchheim. „Im Kruichling wurden gerade die letzten Grundstücke verkauft“, schilderte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker den intensiven Bedarf sowohl aus der heimischen Wirtschaft als auch von auswärtigen Betrieben an Flächen. Da der Hegelesberg lange als Sondernutzungsgebiet für IKEA vorgehalten wurde und die Stadt dort gezielt Grund erworben hat, sei es nur sinnvoll, diese Flächen jetzt wieder für Gewerbeinteressenten auf den Markt zu bringen.

Noch dieses Jahr ist die Erschließung geplant – vorausgesetzt, die dort lebenden Zauneidechsen sind artgerecht umgesiedelt und Archäologen finden nicht noch wichtige Zeugnisse früher Besiedlung. Bekanntlich hatten sich im Neolithikum in dieser Region schon Menschen angesiedelt.

„Der Hegelesberg steht für einen Zeitsprung: Von der Jungsteinzeit ins Industriezeitalter“, formulierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Thilo Rose die aktuelle Entwicklung und zeigte sich zufrieden über die neuen Chancen für weitere Firmenansiedlungen in Kirchheim. Wichtig ist ihm auch, „Sünden“ aus der Vergangenheit im angrenzenden Wohngebiet zu korrigieren. Im Nägelestal klagen die Bewohner über akuten Parkplatzmangel. Rose insistierte darauf, dass die Verwaltung eine Reihe von Vorschlägen darlegen solle für zusätzliche Parkplätze, sobald die Straßenplanung konkret werde.

Dass der Hegelesberg Gewerbegebiet wird, befürworten grundsätzlich alle Fraktionen. Eva Frohnmeyer-Carey von der Frauenliste machte jedoch klar, weshalb sich die Frauen bei der Abstimmung enthielten. Ihre Kritik gilt der zulässigen Bauhöhe von 20 Metern in Autobahnnähe. „Das ist für uns nicht akzeptabel“, machte die Rednerin klar. Von der Autobahn aus könne sich da vielleicht ein interes­santer Anblick ergeben, von der Stadt aus sei der Hügel ohne „Riesenturm“ aber zweifellos schöner anzuschauen.

Andreas Schwarz von den Grünen bezeichnete den Satzungsbeschluss für das Gewerbegebiet als „schwierigste Entscheidung“ seiner nunmehr langjährigen Gemeinderatsmitgliedschaft. Die Attraktivität Kirchheims als Wirtschaftsstandort, der unumstrittene Bedarf, die Nähe des Hegelesberges zur Autobahn und andere Aspekte mehr sprächen klar dafür. Die Versiegelung hochwertigen Bodens stelle jedoch einen erheblichen Eingriff in die Natur da, weswegen die Ausgleichsmaßnahmen ebenfalls hochwertig ausfallen müssten. Gutes Regenwassermanagement sei wegen des Dornbrunnenbaches ebenso wichtig wie die zeitnahe Umsiedlung der Zauneidechsen in Ersatzhabitate. Das 20 Meter hohe Gebäude am südlichen Stadteingang können sich die Grünen als Zäsur gut vorstellen.

Dem schloss sich SPD-Mann Peter Bodo Schöllkopf an und entwarf spontan die Idee eines Cafés in bester Aussichtslage mit Rundumblick. Auch einen Standort der Touristinfo kann er sich dort vorstellen. Da Kirchheim immer mehr zum Ballungsraum Stuttgart zähle, könne man sich weiterer Zersiedlung nun mal nicht ganz verschließen, zumindest scheibchenweise, wie das hier der Fall sei.

Als „dringend notwendig“ bezeichnete Hagen Zweifel, Chef der Freien Wähler, den Satzungsbeschluss für das Gewerbegebiet Hegelesberg. Grund: „Das schafft Arbeitsplätze!“ Letztlich erhoffe sich seine Gruppierung auch eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Süden Kirchheims. „Endlich ist ein Knopf dran“, pflichtete ihm Albert Kahle (Kibü/FDP) bei. Er kritisierte die oft zähen Entwicklungen, die sich beim Hegelesberg besonders deutlich zeigten. Die schwedische Firma IKEA habe schließlich schon im Jahr 1987 erste Kontakte nach Kirchheim geknüpft, passiert sei bis heute nichts.

Abstimmung: Der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Gewerbegebiet Hegelesberg wurde einstimmig gefasst bei zwei Enthaltungen der Frauenliste.