Landfrauen-Kunstgruppe besucht Staatsgalerie
Poesie der Sinne

Die Erinnerung an das Leiden, den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu standen im Mittelpunkt einer Kunstfahrt des Kreislandfrauenverbands Nürtingen in die Stuttgarter Staatsgalerie.

Kirchheim. Kunstinteressierte aus dem gesamten Landfrauenverband waren der Einladung von Rosemarie Rieker gefolgt, um sich von der Kunsthistorikerin Ricarda Geib vor allem die Passionsbilder der Staatsgalerie zeigen zu lassen. Ricarda Geib versteht es, die jeweiligen Bilder mit ihrer leidenschaftlichen Interpretation zu einer Ästhetik der Sinnlichkeit, zu einer Poesie der Sinne für die Betrachterinnen zu vereinigen. Anschaulich bezieht sie die Erfahrungswege der Religion mit Psychologie und Philosophie mit ein.

So ließ die Kunsthistorikerin bei der Auswahl der Bilder zwar den Beschauer nach Zusammenhängen suchen, schuf aber immer dabei mögliche Zugänge und Verstehenshilfen für das Glaubensgeheimnis Passion und Ostern. „Die Darstellung des Leidens Christi ist relativ jung. Sich mit der Problematik des Sterbens auseinanderzusetzen, begann im 13. und 14. Jahrhundert“, erklärte Ricarda Geib ihren Zuhörerinnen.

Dem stillen Nachdenken gewidmet waren dazu eine „Florentinische Arbeit“ aus dem 14. Jahrhundert, wo neben der Opferdarstellung auch der „Pelikan“ zu sehen ist. „Nach einer griechischen Legende tötet dieser Vogel seine Jungen zunächst, um sie nach drei Tagen mit dem eigenen Blut wieder zum Leben zu erwecken – ein altes Auferstehungssymbol“, so die Erläuterung von Ricarda Geib. Joseph Beys „Kreuzigung“ von 1962 muss acht- und aufmerksam verarbeitet werden, um sie in die weiterführende Thematik und Erkenntnis zu übersetzen, ja umsetzen zu können.

Weitere Bilder von Pieter Breugel D. A. sowie von Carraci wurden von der Fachfrau mit Ernsthaftigkeit erläutert, wie Jerg Ratgebs Flügelaltar aus der Stiftskirche Herrenberg. Das „Abendmahlgeschehen“ von Fritz von Uhde, Oskar Schlemmers „Darstellung des Abschieds, des Todes“ berührten in ihrem künstlerischen Tiefgang.

Warum aber ging sie zur eigentlichen Thematik auch auf das „monumentale, sparsame“ Bild von Anselm Kiefer „Glaube – Hoffnung – Liebe“, gemalt 1973, ein? Hier überzeugt einmal mehr die Kunsthistorikerin Ricarda Geib mit ihrer Interpretationsgabe ihre Zuhörerinnen. Der 1945 geborene Anselm Kiefer lebt in Frankreich und hat sicherlich mit diesem Bild „den Finger in die Wunde gelegt“. Auf einem „Speicher“, einem Ort des Verdrängens, lesen sich diese drei Worte, „von denen wir Menschen leben, von denen eine Botschaft ausgeht: „Glaube – Hoffnung – Liebe“. Nicht nur erneut in Staunen versetzt und zum Innehalten aufgerüttelt haben Bilder und Ausführungen dazu bei diesen Stunden in der Staatsgalerie.rr