Holzmaden. Zu Gemeinderat Gert Hauschild hatte sich die Nachricht herumgesprochen, und auch Bürgermeister Jürgen Riehle wusste in der jüngsten Gemeinderatssitzung schon Bescheid: In den vergangenen Wochen haben einige Holzmadener Grundstücksbesitzer Post von der Deutschen Bahn bekommen. In dem Brief informiert das Unternehmen die Empfänger darüber, dass sie Flächen besitzen, die für den Bau der ICE-Strecke Wendlingen-Ulm relevant sind und bekundet sein Interesse an den Grundstücken. Im Ort wird nun schon über Verkäufe spekuliert, und auch das Wort „Zwangsmaßnahmen“ ist bereits gefallen.
Eine tatsächliche Kaufanfrage hat die Bahn bis jetzt noch nicht gestartet, wie ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage des Teckboten sagt. „Wir wollen die Grundstückseigentümer mit den Briefen sehr frühzeitig informieren“, so der Bahnsprecher. „Solche Vorankündigungen gehören für uns zum guten Ton dazu.“ Dass die Bahn für den Bau der ICE-Neubaustrecke gewisse Grundstücke benötige, stehe jedoch fest. „Wenn man die Trasse baut, braucht man Land“, so der Sprecher, sei es, um die Trasse selbst darauf zu errichten, um Wege oder technische Einrichtungen darauf zu bauen. Es würden aber auch Flächen benötigt, auf denen Bäume gepflanzt oder Biotope angelegt werden können, als Ausgleichsmaßnahmen für den Flächenverbrauch durch den Trassenbau.
Darüber hinaus gibt es eine sogenannte „vorübergehende Inanspruchnahme“. „Das sind meist ein paar Meter Fläche, wo die Baufahrzeuge fahren werden oder Kies gelagert wird“, so der Bahnsprecher. „Für einen Landwirt kann das dann bedeuten: Auf dem Stück kann ich die nächsten zehn Jahre keine Kartoffeln mehr anbauen.“ Danach sei wieder alles beim Alten.
„Unser Ziel ist natürlich eine Einigung“, sagt der Bahnsprecher und zeigt sich überzeugt: „In den meisten Fällen gelingt das auch.“ Dennoch gebe es nun mal gewisse Flächen, die die Bahn benötige und die im Planfeststellungsbeschluss auch verzeichnet seien. „Im Zweifel gibt es natürlich als letzten Schritt auch die formale Möglichkeit, juristische Schritte einzuleiten“, so der Bahnsprecher. Eine Enteignung sei aber keineswegs im Sinne des Unternehmens, vielmehr baue man auf eine friedliche Einigung.
Seine Grundstücke an die Bahn verkaufen – das kann sich ein Holzmadener Landwirt, der zu den Empfängern des Infobriefs gehört, im Moment noch nicht vorstellen. „Für mich kommt das nicht infrage“, sagt er. Dass die Bahn versucht – wie gerüchteweise zu hören war – die Grundstücke auch noch unter Wert anzukaufen, kann er ebenso wenig bestätigen wie die Holzmadener Gemeindeverwaltung. Der genannte Preis von 1,50 Euro pro Quadratmeter bewege sich absolut im normalen Rahmen für außerörtliche Flächen.
