Nürtingen. Frau K. aus Reichenbach hatte fast eineinhalb Jahre Schmerzen an der Hüfte. Eine Schmerzvermeidungshaltung begann bereits, sich zu etablieren. Ein Röntgenbild,
gemacht bei ihrem Orthopäden, brachte an den Tag: eine Arthrose bereitete ihr Qualen. Massagen und Medikamente brachten jedoch nur unwesentliche Erleichterungen. „Ich wachte nachts alle eineinhalb bis zwei Stunden auf. Wegen der Schmerzen“, erzählte Frau K. Als sie nicht mehr Fahrrad fahren konnte, war für sie der Punkt erreicht, an dem sie sich weitere Gedanken darüber machte, wie es weitergehen sollte.
Frau K. besuchte einen Vortrag des Ruiter Chefarztes Professor Gerhard Hehl zum Thema Endoprothesen. Sie begann, eine Operation ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Ihr Orthopäde empfahl ihr die Baumann-Klinik in Stuttgart. Sie zögerte. Ein weiterer Besuch eines Vortrags, diesmal beim Nürtinger Chef-Orthopäden Dr. Florian Bopp, überzeugte sie. Von der Notwendigkeit der Operation und vom Operateur. Am Donnerstag saß sie, acht Wochen nach der OP, ohne Beschwerden bei der Pressekonferenz und strahlte. Schmerzfrei und mit dem Gedanken an den nächsten Tanzkurs mit ihrem Mann.
„Über solch zufriedene Patienten freut man sich natürlich“, kommentierte Florian Bopp. Über 600 Hüft- oder Kniegelenke setzen er und sein Team jährlich ein. In Ruit kommen Professor Dr. Gerhard Hehl und seine Mitarbeiter auf etwa 400 Prothesen. Damit war ein wichtiges Kriterium für die Zertifizierung als Endoprothesenzentrum mehr als erfüllt. Aber auch Kriterien wie die räumlichen Voraussetzungen, die Untersuchung und Beratung von Patienten, die Aufklärung über die OP oder regelmäßige Teambesprechungen der einzelnen Behandlungsschritte gehörten, neben vielen anderen Faktoren, zu den Kriterien, die an den Zertifizierungsprozess gestellt sind. „Wir planen den Einsatz einer Prothese zunächst am Computer, an dem Schritt für Schritt der Eingriff simuliert werden kann. Standardisierte Abläufe helfen, die Patientensicherheit zu steigern. Zudem haben wir eine lückenlose Dokumentation zu jedem Patienten“, erläutert Bopp, welcher Vorgehensweise sich sein Team mit der Zertifizierung unterwirft.
Die Rückmeldungen zufriedener Patienten bestätigen der Klinik, den richtigen Schritt gemacht zu haben. Der Prozess bis zur Zertifizierung allerdings war für die Mitarbeiter ein hartes Stück Zusatzarbeit, die neben dem Alltagsbetrieb geleistet werden musste. Und für Florian Bopp ist die OP dennoch nicht das alleinige Maß der Dinge. Ist der Patient eigentlich zu jung oder die Arthrose noch nicht so ausgeprägt, lässt er Patienten zunächst eine konservative Behandlung durchlaufen, die von orthopädischen Hilfsmitteln über die Gewichtsreduktion bis zur Krankengymnastik ein breites Spektrum einnimmt.
Ein weiterer Aspekt der Zertifizierung: die Nürtinger und Ruiter Klinik liefern Daten an das zu Jahresanfang installierte Endoprothesenregister, in dem alle implantierten Endoprothesen erfasst werden – wenn der Patient zustimmt. Der umfangreiche Datenpool des Registers hilft, Ursachen für einen eventuellen Misserfolg bei einem Endoprotheseneingriff leichter als bisher aufzuschlüsseln. Es ist so einfacher, zu erkennen, ob die Implantate, das operative Vorgehen oder patientenspezifische Merkmale für eine neue Operation verantwortlich sind.
